Spät, teuer, falsch bewaffnet –
Der Problemfall „Tiger“

Lange hat die Bundeswehr warten müssen, bis zum Frühjahr 2013, bevor sie mit dem „Tiger“ erstmals in Afghanistan einen Kampfhubschrauber im Einsatz hatte. Anfangs, noch zu Zeiten des Kalten Krieges, als das Projekt angeschoben wurde, ging es darum, sowjetische Panzerverbände zu stoppen. Der „Tiger“ ist ein Waffensystem, das Milliarden Euro kostete – und manchen Planer viele Nerven. Das deutsch-französische Projekt der EADS-Tochter Eurocopter gehört zu den teuersten, die sich die Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahrzehnten geleistet hat. Inzwischen wurden, grob geschätzt, vier Milliarden Euro ausgegeben. Am 30. Januar 2013 konnte mit dem Waffensystem Tiger die volle Einsatzbereitschaft gemeldet werden, vier Kampfhubschrauber stehen seither bereit. Gerade noch rechtzeitig – oder längst zu spät?

Gerade noch rechtzeitig, um in der letzten Phase des Einsatzes vor dem Abzug Ende 2014 die Abzugsrouten zu überwachen. Und doch längst zu spät, denn zwischen 2009 und 2011, als sich der Stabilisierungseinsatz zum Krieg entwickelte, wären sie noch viel dringender gebraucht worden. Damals standen deutsche Einheiten nahezu täglich unter Beschuss. Damals mussten die Amerikaner helfen, wenn es nötig war.

 

Verladen und an den Hindukusch geflogen...

... um hier Sicherungs- und Überwachungsaufgaben zu übernehmen

 

Der „Tiger“ musste erst noch für Afghanistan umgerüstet werden: schussfeste Platten am Cockpit, spezielle Funkgeräte, Schutz für die Rotoren, eine Anpassung für den Flug mit Nachtsichtgeräten und Sandfilter zum Schutz der Getriebe. Doch die Kritik in der Truppe ist geblieben – weil der „Tiger“ so spät kommt, und dann auch noch falsch bewaffnet ist. Er könne immer noch nicht leisten, was er doch leisten solle, nämlich am Boden operierende Truppen mit entsprechender Feuerkraft aus der Luft zu unterstützen. Dafür fehlt, so sagen Experten, ihm zum Beispiel ein bewegliches Maschinengewehr, womit er auch nach links und rechts schießen könne. Außerdem sei der „Tiger“ mit Raketen ausgestattet, die zur Bekämpfung von Panzern taugten, nicht aber im Einsatz gegen asymmetrisch kämpfende Aufständische, die zu Fuß und mit Autos unterwegs sind und aus dem Hinterhalt heraus schießen.

Statt der ursprünglich vorgesehenen 80 Tiger-Kampfhubschrauber wird die Bundeswehr nur 57 Systeme dieses Typs erhalten. Eine entsprechende Einigung mit der Herstellerin, der EADS-Tochter Eurocopter gab das Bundesverteidigungsministerium 2013 bekannt. Michael Schmidt