Peter Struck – Der SPD-Politiker,
der Deutschlands Sicherheit
am Hindukusch verteidigt

Peter Struck, 1943 geboren, der Vater ein Soldat, war von 2002 bis 2005 Verteidigungsminister in der rot-grünen Koalition unter Kanzler Gerhard Schröder und Vizekanzler Joschka Fischer. Kein einfacher Job, keine einfache Konstellation, keine einfache Zeit. „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“ – diesen Satz hat er geprägt, dieser Satz bleibt.

 

Außenminister Joschka Fischer, Finstere Mienen, schwierige Zeiten: Verteidigungsminister Peter Struck, Kanzler Gerhard Schröder. Foto: dpa

Finstere Mienen, harte Zeiten, schwierige Entscheidungen: Außenminister Joschka Fischer, Verteidigungsminister Peter Struck, Kanzler Gerhard Schröder. Foto: dpa

 

Er steht am Beginn des militärischen deutschen Engagements in Afghanistan: Mit dieser Behauptung warb Struck 2002 für den Einsatz deutscher Streitkräfte am Hindukusch. Die „Struck-Doktrin“ – eine forsche, eine selbst in der eigenen Partei, erst Recht aber darüber hinaus umstrittene forsche Formel, die schnell zum geflügelten Wort wurde. Ein Wort, an dem man sich reiben konnte. Und Struck, der schnauzbärtige Jurist mit Pfeife, der 2013 starb, war einer, der sich gerne rieb. Einer, der als authentisch galt, dem Opportunismus fern lag, der mit harten Bandagen, aber fair für seine Überzeugung einstand, und vielleicht auch deshalb anerkannt und beliebt war, auch beim politischen Gegner, auch und vor allem bei der Truppe.

Peter, du musst das jetzt machenBundeskanzler Gerhard Schröder

Und das, obwohl er, der sich zwar Freunden gegenüber kumpelhaft geben konnte, im Umgang mit dem Gegner aber auch ungeheuer schneidig wirken konnte: Struck war alles andere als ein Militarist. Kein Leib-und-Seele-Wehrminister, eher, wie ihn das „Handelsblatt“ einmal beschrieb, ein „Anti-Donald“, will sagen: das ganze Gegenteil seines damaligen US-Kollegen Donald Rumsfeld. Der war ein Multimillionär und früherer Berufsmilitär, der oft nur ungeduldig darauf wartete, seine Soldaten in den Krieg schicken zu können; Rumsfeld glaubte, dass nichts und niemand eine Krise so gut lösen könne wie das Militär. Struck dagegen, als Motorradfahrer ein Draufgänger, aber als Minister ein nüchtern skeptischer Pragmatiker, einer, der sich vom Kanzler in die Pflicht nehmen ließ („Peter, du musst das jetzt machen“, sagte der nach dem unrühmlichen Abgang von Rudolf Scharping, der 2001 mit Gräfin Pilati im Pool planschte, während deutsche Soldaten vor einem Einsatz im ehemaligen Jugoslawien standen) – Struck erweckte eher den Eindruck, als sei der Einsatz von Soldaten für ihn eine Zumutung.

 

Ziemlich schlechte Freunde

Ziemlich schlechte Freunde

Peter Struck und Donald Rumsfeld. Ihre "Zusammenarbeit" fiel in eine Zeit transatlantischer Verstimmung wegen des Irak-Kriegs. Foto: dpa

Ausweitung der Kampfzone

Ausweitung der Kampfzone

In Strucks Amtszeit fiel die Entscheidung, sich über Kabul hinaus auch in der Provinz engagieren würde - im vermeintlich ruhigen Norden. Foto: dpa

Niemals ohne Pfeife

Niemals ohne Pfeife

Die Pfeife war sein Markenzeichen - ob daheim in Uelzen oder beim Truppenbesuch am Hindukusch in Afghanistan: Gequalmt wurde immer. Foto: dpa

Ein Mann mit Hobbys

Ein Mann mit Hobbys

Motorradfahren war die private Leidenschaft des SPD-Politikers Peter Struck - und er frönte ihr auch in der Öffentlichkeit. Foto: dpa

 

Geradlinigkeit war ihm gleichwohl eigen. Das bewies er unter anderem 2003 mit der raschen Entlassung von Brigadegeneral Reinhard Günzel. Der hatte eine weithin als antisemitisch verstandene Rede des CDU-Abgeordneten Martin Hohmann gelobt – und wurde dafür augenblicklich vom Verteidigungsminister geschasst. Mit solchen Aktionen hat sich der Niedersachse, geboren in Göttingen, der schon im Alter von 21 Jahren der SPD beigetreten war, über Parteigrenzen hinweg Respekt verschafft.

In seine Amtszeit fiel die Entscheidung, dass die Bundeswehr sich über Kabul hinaus auch in der Provinz engagieren würde – wobei er dafür sorgte, dass die Deutschen nach Kundus gingen, in den ruhigen Norden, wo ihnen, wie man damals glaubte, vergleichsweise wenig passieren dürfte. In seine Amtszeit fiel auch die Verlegung erster gepanzerter Fahrzeuge an den Hindukusch zum besseren Schutz der Soldaten – und die Entscheidung, sechs Tornados für Aufklärungs-Flüge nach Afghanistan zu schicken, eine Entscheidung, die begleitet war von der Befürchtung, sie könnten auch im umkämpften Süden zum Einsatz kommen und damit in Kampfhandlungen verwickelt werden.

Peter Struck, Ehemann, Vater und Großvater, gehörte zu den Politikern, denen man glaubte, dass sie sich ein Leben außerhalb der Politik vorstellen konnten. Als sich Struck 2009 aus der aktiven Politik zurückzog, erklärte er, von seinem Leben und seiner Familie „noch etwas haben“ zu wollen. Viel Zeit ist ihm dafür nicht geblieben: Struck starb 2012. Michael Schmidt