Reine Männersache? Das war einmal

Frauen in der Bundeswehr? Bewaffnete Soldatinnen? In Deutschland war das Militär bis 2001 mit wenigen Ausnahmen eine reine Männerdomäne – vielleicht wäre sie es auch geblieben, wenn es Tanja Kreil nicht gegeben hätte. Knapp 7000 Soldatinnen gab es in der Bundesrepublik, als sich die junge Frau aus Hannover 1996 nach ihrer Ausbildung bei der Bundeswehr als Waffenelektronikerin bewarb und abgelehnt wurde. Das zuständige Kreiswehrersatzamt berief sich damals auf Artikel 12 a, Absatz 4 des Grundgesetzes, wonach Frauen keinen Dienst an der Waffe tun dürfen. Bis dato waren sie nur im Militärmusikdienst (seit 1991) und im Sanitätsdienst (seit 1975) zugelassen. Kreil wollte sich damit nicht begnügen und zog vor Gericht. Mit Erfolg: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg urteilte am 11. Januar 2000, dass auch Frauen für den Dienst an der Waffe zugelassen sind.

 

Kreil setzt beim EuGH Öffnung der Bundeswehr für Frauen durch

Tanja Kreil. Die Elektronikerin erstritt im Januar 2000 beim Europäischen Gerichtshof (EuGH)
in Luxemburg das Recht für Frauen, an der Waffe zu dienen. Foto: dpa

 

In der Folge wurde das Grundgesetz entsprechend geändert. Fast 15 Jahre nach der wegweisenden EuGH-Entscheidung sind mehr als 19.000 Soldatinnen bei der Bundeswehr beschäftigt. Das entspricht einem Anteil von zehn Prozent. In der Zukunft soll er noch weiter steigen und im Truppendienst 15 Prozent, im Sanitätsdienst 50 Prozent erreichen. Hinzukommen gut 34.000 weibliche Zivilbeschäftigte bei den Streitkräften und im Verteidigungsministerium. Mittlerweile bekleiden die Frauen bei der Bundeswehr auch Führungspositionen, wobei die Ärztin der Marine, Erika Franke, als Generalstabsarzt aktuell den höchsten Dienstgrad unter den weiblichen Bundeswehr-Beschäftigten inne hat.

Bei vielen Kameraden
gibt es nach wie vor Vorbehalte

Man sollte meinen, dass Frauen bei den deutschen Streitkräften inzwischen zur Normalität gehören, wie es die Bundeswehr auch auf ihrer Homepage im Internet kundtut. Allerdings gibt es unterhalb der offiziellen, politisch korrekten Darstellung ein diffuses Bild, was die Integration der Frauen in die Truppe anlangt. Eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr Anfang 2014 hat offenbart, dass es bei nicht wenigen männlichen Kollegen immer noch eine Vielzahl an Vorbehalten gegen die Kolleginnen in Uniform gibt. Sie betreffen zum einen die Eignung für den Beruf des Soldaten an sich und richten sich zum anderen gegen „Vorteile“, die Frauen angeblich aufgrund ihres Geschlechts unter anderem beim beruflichen Fortkommen haben.

So ist fast ein Drittel der Soldaten der Auffassung, dass ihre Kameradinnen einen schlechten Job machen. 32 Prozent glauben, dass Frauen von ihren Vorgesetzten bevorzugt werden. Am lautesten gegen eine vollständige Integration der Frauen bei der Bundeswehr spricht allerdings die Tatsache, dass auch sexuelle Belästigung in der Truppe eine Rolle spielt. Sie reicht von verbalen Übergriffen bis zu Handgreiflichkeiten und Vergewaltigung und betrifft fast jede zweite Frau bei den deutschen Streitkräften. Allerdings kommt nur ein Bruchteil davon auch zur Anzeige und wird geahndet: Viele der Betroffenen Frauen trauen sich beispielsweise aus Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes oder anderen beruflichen Konsequenzen nicht, sexuelle Übergriffe zu melden. Von Sarah Kramer

 

Bundeswehr für Freiwillige

Auch unter Freiwilligen, die sich nach Aussetzung der Wehrpflicht zum Dienst bei der Truppe melden, sind viele Frauen. Jeder dritte männliche Kamerad findet allerdings, dass sie in der Bundeswehr einen eher schlechten Job machen – und einer von Dreien glaubt, dass sie von Vorgesetzten bevorzugt werden. Foto: dpa