Spät, teuer, technisch abgerüstet – Der Problemfall Eurofighter

Piloten lieben ihn, Politiker werden nicht recht glücklich mit ihm: Der Eurofighter, Wunderwaffe oder Auslaufmodell, High-Tech-Flieger oder Unglücksvogel, Speerspitze oder Ladenhüter? Mehrkosten, Verzögerungen, technische Probleme – die Verteidigungsministerin hat Ursula von der Leyen hat angekündigt, die 15 großen Rüstungsprojekte ihres Hauses auf den Prüfstand zu stellen und von einer externen Unternehmensberatung durchleuchten zu lassen. Der Eurofighter gilt als einer der großen Problemfälle.

Lang, lang ist's her. Der Eurofighter ist ein Kind des Kalten Krieges. Der Start des Projekts fiel in die Zeit von Manfred Wörner, Bundesverteidigungsminister unter kanzler Helmut Kohl. Foto: dpa

Lang, lang ist’s her. Der Eurofighter ist ein Kind des Kalten Krieges. Der Start des Projekts fiel in die Zeit von Manfred Wörner, Bundesverteidigungsminister unter Kanzler Helmut Kohl. Foto: dpa

Der Eurofighter ist ein Kind des Kalten Krieges. Als sich die Europäer in den 80er-Jahren entschlossen, das teure Gemeinschaftsprojekt zu starten, dachte man noch an die Abwehr sowjetischer Bomberflotten – damals hieß das Projekt „Jäger 90“, und zeigt schon das ganze Problem. Zu spät, zu teuer, und technisch schon abgerüstet. Ursprünglich bezifferten Industrie und Politik die Kosten für eine Maschine auf 65 bis 70 Millionen D-Mark. Für diesen Stückpreis sollte die Bundeswehr 180 Eurofighter bekommen. Mittlerweile hat sich der Preis für ein einzelnes Flugzeug inklusive diverser Nachrüstungen mehr als vervierfacht. Er liegt bei mindestens 180 Millionen Euro. Auch der Betrieb ist teuer, eine Flugstunde kostet knapp 80 000 Euro.

Von der Flotte sind derzeit nur etwas mehr als die Hälfte der Maschinen einsatzbereit

Dabei ist vor allem die von den Kampfjetpiloten viel gelobte Technik des Eurofighters zugleich seine größte Bürde. Wo viel Bordelektronik und Spezialhardware verbaut ist, kann eben auch viel kaputtgehen. Mal fiel die Tankanzeige aus, mal waren es die Triebwerke, die plötzlich streikten, oder die Bordkanone, die keinen Schuss mehr abfeuerte. Wenige Male stürzten Maschinen auch ab.

Das größte europäische Rüstungsprojekt stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Seit 25 Jahren entwickelt und produziert der heutige Rüstungskonzern EADS mit europäischen Partnern das Flugzeug. Es soll den Beweis liefern, dass nicht allein die Amerikaner in der Lage sind, Hightech-Kampfjets zu bauen.

Derzeit besitzt die Bundeswehr 109 Eurofighter, von der Flotte sind theoretisch allerdings nur 73 Maschinen verfügbar – und davon sogar nur die Hälfte, genau gesagt 42, einsatzbereit. Im Oktober 2013 mussten wieder einmal sämtliche verfügbaren deutschen Eurofighter am Boden bleiben. Bei einer Routineinspektion waren im Schleudersitz einer Maschine Staubschutzkappen entdeckt worden, die den Auslösemechanismus des Sitzes blockiert.

 

Antrittsbesuch Ursula von der Leyens bei der Luftwaffe. Sie wird in diesem Fall nicht rütteln an dem, was längst beschlossen ist: Statt der geplanten 250 Maschinen wird Deutschland nur noch 140 Eurofighter abnehmen. Foto: dpa

Antrittsbesuch Ursula von der Leyens bei der Luftwaffe. Foto: dpa

Die Regierungen von Berlin bis London versuchen seit Jahren, aus den Verträgen auszusteigen. Mit Erfolg: Statt der geplanten 250 Maschinen wird Deutschland nur noch 140 Eurofighter abnehmen. Die Regierungen versprachen der Industrie im Gegenzug, Exportkunden zu suchen.

Doch das ist schwer, denn den „Eurofighter“ mit seinen maximal 74 000 PS Leistung können sich nur sehr reiche Kunden leisten. Neben den hohen Anschaffungskosten schlägt jede Flugstunde mit gut 70.000 Euro zu Buche. Saudi-Arabien leistete sich 72, Österreich 15 Jets. Brasilien, Indien und sogar die Schweiz entschieden sich für billigere Lösungen, der Rest der Welt kauft bei Russen oder Amerikanern. Michael Schmidt