Pistole P8 – „Als ob man seinen Trabant mit Flugbenzin betankt“

Nicht nur über das Standardgewehr G36, auch über die Standardpistole P8 gibt es immer wieder Beschwerden. Die Bundeswehr benutzt für sie eine vom Hersteller nicht freigegebene Munition vom Typ DM51, die nachweislich einen zu hohen Gasdruck entwickelt. Zehntausende Pistolen des Typs P8 gibt es in der Bundeswehr. Schon im Jahr 2006 hatte ein Beamter des Verteidigungsministeriums seine Vorgesetzten auf die gefährliche Munition für die P8 aufmerksam gemacht. Im Jahre 2011 wurde privaten Wachleuten der Gebrauch der Munition DM51 vom Verteidigungsministerium untersagt. Die Soldaten schießen aber weiterhin mit den Patronen.

Teil des Problems
sind die Änderungswünsche der Bundeswehr

Am 17. Dezember 2010 zum Beispiel, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) war gerade auf dem Weg zum ersten Truppenbesuch in Afghanistan seit April 2009, starb ein 21-jähriger Hauptgefreiter am Hindukusch. Zunächst hieß es, der junge Bundeswehrsoldat sei beim Reinigen seiner Waffe ums Leben gekommen, dann stellte sich heraus, dass er beim „spielerischen Umgang“ mit Schusswaffen durch die Hand eines Kameraden starb. Untersuchungen der Staatsanwaltschaft ergaben, dass die verwendete Tatwaffe vom Typ P8 technisch in Ordnung gewesen sei. Nach Recherchen des Tagesspiegels sind jedoch bereits seit 2005 zunehmend Probleme bei diesem Pistolentyp aufgetreten.

Auf der Tagung der „Nutzungsleiter Handwaffen“ wurde dem Verteidigungsministerium im April 2010 eine Mängelliste zu dieser Pistole vorgelegt. Darin enthalten sind genau die Probleme beim Einführen des Magazins, die der Todesschütze in der Vernehmung durch die Feldjäger unmittelbar nach dem Unfall beschrieb.

 

Ein Infanterist des Jägerlehrbataillons 353 mit der Ausstattung "Infanterist der Zukunft". Zur Ausstattung gehört auch die 9mm Pistole P8 mit Laser-Licht-Modul. Foto: dpa

Ein Infanterist des Jägerlehrbataillons 353 mit der Ausstattung „Infanterist der Zukunft“.
Zur Ausstattung gehört auch die 9mm Pistole P8 mit Laser-Licht-Modul. Foto: dpa

 

Entstanden sind diese Probleme durch die ausdrücklichen Änderungswünsche der Bundeswehr an dem Serienmodell Heckler & Koch USP. Bei handelsüblichen Serienmodellen treten diese Probleme nicht auf. Zusätzlich wurde im Rahmen dieser Tagung festgestellt, die in die Bundeswehr eingeführten Pistolen P8 hätten ihre Lebensdauer von 10.000 Schuss bereits überschritten, es sind zahlreiche Fälle von gerissenen Waffenverschlüssen bekannt geworden. Doch statt die für Soldaten gefährlichen Pistolen schnellstmöglich durch Neuwaffen zu ersetzen, wurde der Oberndorfer Hersteller mit einem Entwicklungsauftrag für ein Nachfolgemodell P8A1 beauftragt. Bei diesem Nachfolgemodell sollen die problematischen Kunststoffmagazine durch eine Version aus Stahlblech ersetzt werden.

Ein unabhängiger Sachverständiger führt die Probleme unter anderem auf die Munition der Bundeswehr zurück. „Die Patronen sind zu heiß geladen, das kann auf die Dauer zu erheblichen Problemen führen“, stellte der Experte fest. Tatsächlich hat die Patrone „9mm Luger“ nach den internationalen CIP-Vereinbarungen einen Höchstgasdruck von 2350 bar, die Patrone DM51 der Bundeswehr weist jedoch einen nominellen Druck von 3000 bar auf. Ausgelegt sind solche Patronen für Maschinenpistolen – „die Nutzung in Pistolen ist ungefähr so, als tanke man in seinen Trabant Flugbenzin, um eine höhere Geschwindigkeit zu erzielen“, stellt der Experte dazu fest. Michael Schmidt