Panzerhaubitze 2000 – Deutschland fährt schweres Geschütz auf

Fast neun Jahre war die Bundeswehr am Hindukusch im Einsatz, zahlreiche Debatten über die richtige Ausrüstung lagen hinter ihr, die Frage war nach wie vor virulent, ob allzu schweres Gerät nicht allzu martialisch wirke und von daher kontraproduktiv sei, weil es beim Afghanistaneinsatz doch um eine Friedens- und Stabilisierungsmission gehe – da verlegte die deutsche Armee im Mai 2010 die erste Panzerhaubitze 2000 ins deutsche Feldlager Kundus in Nordafghanistan.

Die Panzerhaubitze, das modernste Rohrartilleriesystem der Welt, ist das schwerste Geschütz, das die Bundeswehr je in einen Einsatz geschickt hat. Sie ist elf Meter lang und hat ein Gefechtsgewicht von 56 Tonnen. Die 155-Millimeter-Kanone kann 40 Kilometer weit schießen und selbst auf diese Entfernung auf 30 Meter genau treffen. Der Transport war ein logistischer Kraftakt. Etwa eine Woche dauerte die Reise mit Bahn, Flugzeug und Tieflader vom pfälzischen Kusel ins afghanische Kundus. Alleine der Lufttransport mit einer der größten Maschinen der Welt, einer Antonow An-124, dauerte mit drei Zwischenlandungen zwei Tage.

 

 Der Transport war ein logistischer Kraftakt. Etwa eine Woche dauerte die Reise mit Bahn, Flugzeug und Tieflader vom pfälzischen Kusel ins afghanische Kundus. Alleine der Lufttransport mit einer der größten Maschinen der Welt, einer Antonow An-124, dauerte mit drei Zwischenlandungen zwei Tage. Foto: dpa

Der Transport war ein logistischer Kraftakt und dauerte mehr als eine Woche. Alleine der Lufttransport mit einer Antonow An-124 dauerte mit drei Zwischenlandungen zwei Tage. Foto: dpa

 

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte die Verlegung der schweren Geschütze Mitte April angeordnet. Zwei Wochen vorher war am Karfreitag eine Patrouille der Bundeswehr in Kundus in einen Hinterhalt der Taliban geraten. Drei deutsche Soldaten wurden getötet, fünf verletzt. Als Antwort darauf wollte der CSU-Politiker seine Entscheidung zur Aufrüstung trotzdem nicht verstanden wissen. „Das sind Grundvoraussetzungen, die geschaffen werden, um dem Auftrag dort auch gerecht zu werden“, sagte er. Die Ausrüstung werde laufend der Lage vor Ort angepasst. Ohne die Eskalation der Gewalt wäre die Entscheidung zur Aufrüstung in Afghanistan wahrscheinlich aber nicht so schnell gefallen. Die Panzerhaubitze sollte den Soldaten in den immer häufigeren Gefechten mit den radikalislamischen Taliban Rückendeckung geben – psychologische und wenn nötig auch schlagkräftige.

Die Bundeswehr-Haubitzen wurden fest im Camp Kundus stationiert. Mit der Reichweite von 40 Kilometern konnte das Geschütz alle „Hotspots“ um das Feldlager erreichen. Wie beim Einsatz von Kampfflugzeugen oder -hubschraubern sind auch bei der Haubitze zivile Opfer in den meisten Gefechtssituationen nur schwer auszuschließen. Die Taliban greifen meist in oder in der Nähe von Dörfern an, verschanzen sich häufig in Gehöften und missbrauchen die Zivilbevölkerung so als Schutzschilder. Die Verfrachtung der Artilleriegeschütze war Teil einer größeren Aufrüstungsaktion für die Bundeswehr in Afghanistan. Auch TOW- Panzerabwehrraketen sowie zusätzliche Schützenpanzer vom Typ „Marder“ wurden 2010 nach Kundus verfrachtet. Michael Schmidt

 

Die Verlegung der Panzerhaubitze war Teil eines Aufrüstungsschubes, den Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in die Wege leitete. Foto: dpa

Die Verlegung der Panzerhaubitze war Teil eines Aufrüstungsschubes, den Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in die Wege leitete. Foto: dpa