Spät, teuer, mängelbehaftet – Der Problemfall NH90

Zu teuer, zu spät – und dabei dringend benötigt: Der NH90 ist ein Prestigeobjekt der Nato, er soll in Dutzenden Varianten das Rückgrat der Hubschrauberflotten bilden, und ist doch der Problemhelikopter der Bundeswehr. Die ersten Konzepte wurden bereits in den 80er Jahren entwickelt – für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan zur Verfügung stehen die ersten vier Maschinen seit gerademal gut einem Jahr: Im Frühjahr 2013 wurden sie an den Hindukusch verlegt, wo sie vor für die luftgestützte Rettung von Verwundeten gebraucht werden. Technische Probleme und Mängel hatten die Indienststellung immer wieder verzögert.

Eigentlich ist der NH90 so konzipiert, dass er für den Einsatz über Land und See befähigt ist. Der Hubschrauber wird von der deutsch-französisch-spanischen EADS-Tochter Eurocopter hergestellt. Seit 2001 läuft die Serienproduktion. Mit dem NH90 können schwere Lasten oder bis zu 20 Soldaten transportiert werden.

Die Version für die Marine gilt als korrosionsanfällig

Mängel gibt es bei bei Funk, Navigation und Software. Diese machen den Einsatz des Fluggeräts bei einigen Missionen unmöglich. Im Juni 2013 hatte das Geschwader in Masar-i-Scharif in einem Sachstandsbericht an das Einsatzführungskommando über die Probleme geklagt. Insbesondere seien die Maschinen nicht mit Funkgeräten ausgerüstet, die verschlüsselte Kommunikation erlaubten. Solche Hubschrauber könnten aber nur eingeschränkt verwendet werden.

Der NH90 soll vermehrt verwundete Soldaten retten, wenn die USA die Zahl ihrer Hubschrauber wie geplant reduzieren. Bereits im Frühjahr hatte es Diskussionen um den modifiziert auch als Marinehubschrauber einsetzbaren NH90 gegeben, der bei den Seestreitkräften wegen begrenzter Fähigkeiten umstritten ist. Die Rede ist von einer hohen Korrosionsanfälligkeit. Michael Schmidt