Afghanen sind sauer: Überlässt
der Westen das Material dem Feind?

Die Nato ist auf dem Rückzug. Ende 2014 wird aus dem Kampfeinsatz in Afghanistan eine sehr viel kleinere Ausbildungsmission. Deutschland wird sich daran mit bis zu 800 statt zuletzt 2500 Soldaten beteiligen. Deshalb wird massiv abgerüstet, Material und Gerät verschrottet oder nach Europa und in die USA zurückgeschafft. Doch nicht immer lohnt der Rücktransport, gepanzerte Fahrzeuge beispielsweise können bis zu 40 Tonnen wiegen, weshalb ein Transport in die USA rund 100.000 Dollar pro Fahrzeug kosten würde. Statt sie den Afghanen für ihre Armee zu überlassen, zerstört die US-Armee viele dieser Fahrzeuge oder, und das ist aus Sicht der Afghanen vielleicht noch schlimmer: Sie verkauft oder verschenkt sie an andere Nationen, namentlich an Pakistan.

Das hat in Afghanistan heftige Debatten ausgelöst, viele Afghanen betrachten das Vorgehen sogar als feindlichen Akt. Die „Washington Post“ berichtete, die USA planten, Pakistan Militärmaterial im Wert von rund sieben Milliarden Dollar zu überlassen. Pakistan sei in erster Linie an gepanzerten Fahrzeugen interessiert, um sie im Kampf gegen die Taliban im eigenen Land einzusetzen, schreibt das Blatt. Auch die Afghanen, die jeden Monat mehrere Hundert Soldaten durch Angriffe der Taliban verlieren, könnten sie freilich gut gebrauchen. Die Amerikaner trauen den Afghanen aber offenbar nicht zu, die Fahrzeuge unterhalten – und auch halten – zu können.

Die Bundeswehr verschenkt ihre Geländewagen –
an die Mongolei

„Die Gefahr, dass Fahrzeuge, die klar als Nato-Fahrzeuge erkennbar sind, in die Hände von Aufständischen geraten könnten, ist groß“, heißt es auch in Berliner Militärkreisen. Sie könnten dann leicht für getarnte Angriffe missbraucht werden. Die Bundeswehr überlässt den Afghanen ebenfalls keine Fahrzeuge. 60 Geländewagen vom Typ „Wolf“ wurden nach Auskunft des Verteidigungsministeriums dagegen der mongolischen Armee geschenkt. Über Beschwerden oder Unmut der Afghanen bezüglich des deutschen Vorgehens lägen dem Ministerium keine Informationen vor, sagte ein Sprecher. Ulrike Scheffer

 

Auch die Bundeswehr zieht es vor, ihr Material nicht komplett den Afghanen zu überlassen - 60 Fahrzeuge vom Typ "Wolf" hat sie an die Mongolei verschenkt. Foto: dpa

Auch die Bundeswehr zieht es vor, ihr Material nicht komplett den Afghanen zu überlassen – 60 Fahrzeuge vom Typ „Wolf“ hat sie an die Mongolei verschenkt. Foto: dpa