Krank vom Krieg –
Posttraumatische Belastungsstörung

 

Immer häufiger lassen sich deutsche Soldaten nach ihrer Rückkehr aus dem Einsatz wegen psychischer Störungen behandeln. Sie sind traumatisiert von schlimmen Ereignissen und erkranken an PTBS, einer „Posttraumatischen Belastungsstörung“.

Rund ein Viertel aller deutschen Soldaten, die in Afghanistan eingesetzt waren, kehren mit traumatischen Erlebnissen zurück. Das geht aus einer Studie der TU Dresden und des Psychotraumazentrums des

Bundeswehrkrankenhauses Berlin aus dem Jahr 2013 hervor. Die Folgen sind dramatisch: „Auslandseinsätze der Bundeswehr gehen mit einem hohen Belastungsausmaß einher, das offensichtlich massiv das Ersterkrankungsrisiko für Angststörungen sowie den Beginn einer Alkoholabhängigkeit erhöht“, heißt es in der Studie. Dies sei lange unterschätzt worden.

Auch die Zahl der Soldaten, die nach dem Einsatz an einer sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), einer besonders schweren psychischen Erkrankung, leiden, sei höher als zunächst gedacht. Sie wurde von dem Forscherteam 2011 noch mit zwei Prozent angegeben, inzwischen aber auf drei Prozent korrigiert. Und die Zahlen könnten weiter steigen, da PTBS-Erkrankungen oft erst Jahre nach dem Einsatz auftreten. Sie sind traumatisiert von schlimmen Ereignissen in den Krisengebieten. Die Störung zeigt sich in unterschiedlichen Symptomen. Erkrankte klagen über Schlafstörungen, Schwermut, Alpträume, Panikattacken oder körperliche Schmerzen. Viele durchleben das belastende Ereignis in ihrer Vorstellung immer wieder aufs Neue.

Die Bereitschaft sich Hilfe zu holen, nimmt zu

Nach Angaben der Bundeswehr ist die Bereitschaft der Soldaten, sich bei seelischen Verletzungen medizinische Hilfe zu holen, in den vergangenen Jahren angestiegen. Dazu beigetragen hätten unter anderem eine kostenlose Hotline, anonyme Kontaktmöglichkeiten im Internet und unzählige Vorträge von Ärzten. Auch die öffentliche Diskussion über das Leiden habe zu mehr Akzeptanz psychischer Erkrankungen unter den Soldaten geführt. Dennoch gehen die Experten von einer hohen Dunkelziffer aus. Laut einer Studie der Technischen Universität Dresden dürfte jede zweite Erkrankung unerkannt bleiben. Nach wie vor lässt sich rund die Hälfte der Betroffenen aus Scham oder aus Angst vor beruflichen Nachteilen nicht behandeln.
Eine weitere zentrale Erkenntnis des Forscherteams um den Dresdner Studienleiter Hans-Ulrich Wittchen lautet, dass jeder fünfte Soldat bereits vor dem Einsatz psychische Probleme hatte. Vielen PTBS-Patienten wird die Anerkennung einer Wehrdienstbeschädigung sogar mit dem Verweis auf psychische Vorbelastungen verweigert. Ulrike Scheffer