Kommando Spezialkräfte KSK –
Die Elitetruppe im Verborgenen

Ihre Einsätze sind gefährlich und streng geheim. Sie operieren im Verborgenen und schlagen gern im Schutz der Nacht zu: Spezialeinheiten. Sie spielen im Afghanistan-Krieg eine entscheidende Rolle. Von Aufgaben und Methoden der Elitesoldaten aus den USA, Großbritannien oder Deutschland, ihren Einsätzen, ihrem Vorgehen erfährt man allerdings erst, wenn überhaupt, im Nachhinein. Schnell, lautlos und überraschend soll zum Beispiel das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr hinter feindlichen Linien kämpfen. Die relativ junge Truppe wurde 1996 vor allem für die Rettung von Deutschen im Ausland, dem Schutz von Bundeswehreinheiten und der Aufklärung des Feindes in Krisenländern wie Afghanistan, dem Einsatz hinter feindlichen Linien und der Abwehr von terroristischen Bedrohungen aufgestellt, sie umfasst rund 1400 Soldaten und Zivilangestellte. Ihre Kommandoaktionen können Kriege entscheiden, doch die Namen der Beteiligten bleiben unter Verschluss.

 

Soldaten des KSK) seilen sich während einer Übung aus einem Hubschrauber CH 53 auf ein Dach ab. Die Truppe ist berühmt-berüchtigt für ihre Spezialkenntnisse und -Fähigkeiten. Foto: dpa

Soldaten des KSK seilen sich während einer Übung aus einem Hubschrauber CH 53 auf ein Dach ab.
Die Truppe ist berühmt-berüchtigt für ihre Spezialkenntnisse und -Fähigkeiten. Foto: dpa

 

2001 beschloss der Bundestag die deutsche Beteiligung an der US-geführten Anti-Terror-Operation Enduring Freedom (OEF). Hinsichtlich dieses Einsatzes wurde, wie Winfried Nachtwei berichtet, bis 2009 Grünen-Abgeordneter im Verteidigungsausschuss, immer auf die Geheimunterrichtung der Obleute von Verteidigungs- und Auswärtigem Ausschuss verwiesen. „Wie wirksam EF ingesamt ihren Auftrag der Eindämmung terroristischer Gewalt in Afghanistan erfüllte, blieb immer unbeantwortet“, sagt Nachtwei.

Bei OEF erlebte
die sonst so viel gelobte
Parlamentsbeteiligung
ihren TiefpunktWinfried Nachtwei, Grünenpolitiker

Der offiziellen Schweigewand standen ihm zufolge die übereinstimmenden Aussagen von zivilen und militärischen Afghanistan-Experten und afghanischen Parlamentariern gegenüber, „dass OEF/Afghanistan durch die Art und Weise des Auftretens gegenüber der Zivilbevölkerung und durch die Art und Weise einer Operationsführung, die immer wieder unverhältnismäßig agiert und wenig Rücksicht auf zivile Opfer nimmt, mehr zur Eskalation von Hass und Gewalt beiträgt als zur Eindämmung von Terrorismus und seines Nährbodens“.Dass die Lage in den Südprovinzen zu einem regelrechten Aufstand eskaliert sei, „wird in erheblichem Maße auch der Operationsführung von OEF zugeschrieben.“

Diese kontraproduktive Dimension von OEF „stand exemplarisch für den strategischen, bis heute oft noch verdrängten Dissens der ersten Jahre unter den Nato-Verbündeten, sagt Nachtwei: „Primat der militärischen Terrorbekämpfung vs. Primat der Sicherheits- und Staatsaufbauunterstützung, Gegnerfokussierung vs. Rücksicht auf die Bevölkerung, Vorrang Irakkrieg vs. Schwerpunkt Afghanistan“. 2006 stellte die neue Regierung der Großen Koalition die kontinuierlichen Berichte zu OEF ein. Des Grünen-Politikers Fazit: „Bei OEF erlebte die sonst so viel gelobte Parlamentsbeteiligung ihren Tiefpunkt – nicht zuletzt durch Selbstentmündigung des Parlaments. Glaubwürdige Hinweise, dass bei dieser Operation geradezu systematisch der Schutz der Zivilbevölkerung missachtet wurde, wurden von der Parlamentsmehrheit aus falsch verstandener Bündnisloyalität verdrängt.“

Sonderstellung der KSK

Die Spezialeinheit der Bundeswehr nahm bei den Kampfeinsätzen in Afghanistan eine Sonderstellung ein. Anders als bei den US-amerikanischen und britischen Kollegen beteiligte sich das Kommando Spezialkräfte (KSK) offiziell nicht an gezielten Tötungen, woran aber immer wieder Zweifel geäußert wurden. Nach 2007 operierten etwa 120 Soldaten unter dem Decknamen „Task Force 47“ im Norden des Landes. Hauptaufgaben des KSK in den Provinzen Badakshan, Baghlan und Kundus waren:

Aufklärung: Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage ist einer der wichtigsten Aufträge der Task Force 47, die „gegnerischen Netzwerke im Einsatzraum des Deutschen Einsatzkontingents“ auszuspähen. Außerdem sollten die Elitesoldaten Informationen über Personen sammeln, die „mit Anschlägen gegen die Sicherheitskräfte und die afghanische Staatsgewalt in Verbindung stehen“.

Bekämpfung des Terrorismus: In enger Zusammenarbeit mit den afghanischen Behörden gehen die deutschen Spezialeinheiten gegen Mitglieder der Taliban in ihrem Einsatzbereich vor. Im August 2010 teilte die Bundesregierung mit, dass dabei seit Beginn der deutschen Mission mehr als 50 gesuchte Personen festgenommen wurden. Nur einen Monat später fasste das KSK bei Kundus den Taliban-Anführer Maulawi Roshan.

Ausbildung: Das KSK baut in Nordafghanistan eine neue Eliteeinheit der afghanischen Polizei auf. Kommandosoldaten schulen Rekruten der „Provincial Response Company“, die vor allem gegen Taliban-Führer eingesetzt werden soll. Eine erste Einheit der seit Mai 2010 trainierten Afghanen nimmt nach „Spiegel“-Informationen bereits an internationalen Operationen gegen die Taliban im Raum Kundus teil. Mit der Einbindung der Deutschen in den Aufbau von einheimischen Eliteverbänden folgt die Bundeswehr dem Vorbild der USA.

Im Mai 2013 fällt in einem Gefecht mit Aufständischen in Nordafghanistan erstmals ein Soldat des KSK.

 

Humor? Oder bitterer Ernst?

Humor? Oder bitterer Ernst?

"Schön, Dich zu treffen" steht auf einem Schild am Eingang des Schießausbildungszentrums in Calw. Das ist witzig gemeint. Eine "gezielte Tötung" von Terroristen hat die deutsche Politik ausgeschlossen. Foto: dpa

Zielsicher

Zielsicher

Bizarrer Anblick: Die zerlöcherte Menschenkopfnachbildung am Ende einer Schießübung, Vorbild für das KSK waren der britische Special Air Service (SAS) und die US Special Operations Forces. Foto: dpa

 

Die Truppe ist immer wieder Gegenstand heftiger Kritik. So soll sie am Bundeswehr-Luftangriff auf von Taliban entführte Tanklaster in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2009 beteiligt gewesen sein, bei dem es bis zu 142 Todesopfer gab. Das geht aus bundeswehr-internen Dokumenten hervor, die beim anschließenden Kundus-Untersuchungsausschuss öffentlich wurden. Die Informations- und Befehlskette, die zur Bombardierung führte, soll „maßgeblich“ über einen KSK-Befehlsstand gelaufen sein.

 

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Murat Kurnaz

Murat Kurnaz

Murat Kurnaz erhob schwere Vorwürfe gegen die KSK nachdem er 2001 im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet als Terror-Verdächtiger festgenommen und danach vier Jahre lang im US-Gefangenenlager Guantanamo festgehalten worden war. Foto: dpa

Khaled al Masri

Khaled al Masri

Khaled al Masri ist ein deutsches Opfer einer Entführung (Extraordinary rendition) durch den amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA. Er wurde 2003 im Rahmen des Kriegs gegen den Terror verschleppt und mehrere Monate festgehalten - danach geriet er völlig aus der Bahn. Foto: dpa

 

Schon drei Jahre zuvor stand die Elitetruppe der Bundeswehr aufgrund der so genannten Kurnaz-Affäre in der Kritik. Der Fall des Deutsch-Türken warf 2006 ein grelles Schlaglicht auf die bis dahin beinahe vollständig im Verborgenen arbeitende Einheit. Damals erhob Kurnaz schwere Vorwürfe gegen das KSK. Er war Ende 2001 im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet als Terror-Verdächtiger festgenommen und danach vier Jahre lang im US-Gefangenenlager Guantanamo festgehalten worden. Vor seiner Überstellung nach Kuba, so behauptete Kurnaz, sei er noch in Afghanistan von deutschen KSK-Soldaten verhört und misshandelt worden. Ein eigens eingesetzter Untersuchungsausschuss kam im Jahr 2008 zu dem Ergebnis, dass eine solche Misshandlung weder bestätigt noch widerlegt werden könne.

 

Kommando Spezialkräfte (KSK) in Calw

Glückwunsch, Mutprobe bestanden: KSK-Kommandeur Dag Baehr gratuliert Ministerin von der Leyen zum gelungenen Falschirmsprung. Foto: dpa

 

Im Juli 2014 ließ sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen erstmals von Kommandeur Dag Baehr in der Kaserne des KSK in Calw im Schwarzwald über
die Fähigkeiten der Einheit informieren und sprach mit Soldaten über Fragen der Ausbildung und der Vereinbarkeit des Berufs mit dem Familienleben. Das KSK spiele eine wichtige Rolle, „wenn das Land ruft und der Einsatz gefordert ist“, sagte die Ministerin. Auf einem Truppenübungsplatz und im Schießausbildungszentrum des Standorts ließ sie sich zwei Übungen zur Geiselbefreiung zeigen. Beteiligt waren Kommandosoldaten, Scharfschützen, Transport- und Kampfhubschrauber, Quad-Fahrzeuge sowie eine Drohne. Bei ihrem Besuch sprang von der Leyen auch im Tandem mit einem erfahrenen Fallschirmspringer aus einem Hubschrauber ab. „Ich habe die besondere Erfahrung gemacht, was es heißt, jemandem blindlings zu vertrauen“, sagte Leyen hinterher. KSK-Kommandeur Dag Baehr zeigte sich mit dem Einsatzwillen der Ministerin zufrieden. Der Sprung sei „außergewöhnlich“ gewesen, „es ist eine gute Ministerin“, lobte der General. Leyen habe den Sprung ausdrücklich gewünscht und eine kurze Unterweisung erhalten. Nach Angaben eines KSK-Sprechers handelte es sich um eine Premiere. Frühere Verteidigungsminister hätten beim Besuch des KSK-Stützpunkts Calw auf den Absprung per Fallschirm verzichtet. Michael Schmidt

 

Seltene Einblicke in die Arbeit der KSK gab es, als Ursula von der Leyen den Spezialkräften in Calw, begleitet von reichlich Presseleuten,  einen Besuch abstattete. Foto: dpa

Seltene Einblicke in die Arbeit der KSK gab es, als Ursula von der Leyen den Spezialkräften in Calw, begleitet von reichlich Presseleuten, einen Besuch abstattete. Foto: dpa