Kampfpanzer an den Hindukusch?

Was für ein Einstand. „Künftiger Wehrbeauftragter verlangt Kampfpanzer für Afghanistan“, hieß es Anfang April 2010. Viele mochten den Namen Hellmut Königshaus bis dahin noch nicht gehört haben. Jetzt wusste jeder: Der FDP-Politiker ist der neue Wehrbeauftragte. Genauer: Er wird der neue Wehrbeauftragte. Er war ja tatsächlich noch gar nicht im Amt als er im Gespräch mit dem Tagesspiegel verbal schweres Geschütz auffuhr: Der Tod von drei Soldaten bei Kundus hatte die Debatte über die Ausrüstung der Bundeswehr aufs Neue befeuert – und Königshaus forderte in seiner ersten Wortmeldung gleich den Einsatz schwerer Kampfpanzer. „Wer in das Kanonenrohr eines ‚Leopard 2‘ schaut, überlegt es sich zweimal, ob er eine deutsche Patrouille angreift“, sagte Königshaus. Die Bundeswehr solle einige der „Leopard 2“-Kampfpanzer nach Kundus bringen, die gegenwärtig in deutschen Depots stehen.

 

Jahresbericht 2010 des Wehrbeauftragten übergeben

Führte sich mit einem Knall ins Amt des Wehrbeauftragten ein: Hellmut Königshaus (FDP). Foto: dpa

 

Kritiker hielten den Einsatz eines solchen schweren Kampfpanzers allerdings – gerade wegen seines Äußeren – für das falsche Signal. Die Bundeswehr würde damit zu martialisch erscheinen, hieß es. Bisher dahin sich die Bundeswehr in dem Image der Brücken- und Brunnenbauer in Afghanistan. Königshaus focht das offenbar nicht an: Der Bundeswehr stehe in Afghanistan nicht alles Gerät zur Verfügung, das sie zu ihrem eigenen Schutz brauche, befand der designierte Wehrbeauftragte. So fehlten neben gut geschützten Fahrzeugen wie dem „Leopard 2“ auch Hubschrauber, Mörsergranaten und moderne Aufklärungssysteme.

Für seinen Vorstoß gab Königshaus vor allem zwei Argumente an: Ein Panzer hat aus Sicht des Liberalen eine „abschreckende Wirkung“ und soll Taliban daran hindern, die Bundeswehr anzugreifen. Zudem sei der „Leopard 2“ besser gegen Minen geschützt als leichtere Panzer wie der „Marder“ oder Patrouillenfahrzeuge wie der „Dingo“.

Kritiker monierten: Der Leo 2 wirke zu martialisch – und sei nicht afghanistantauglich

Bei Kritikern stießen die Ideen auf Ablehnung. Ein Sprecher des Heeres erklärte, der „Leopard 2“ sei „aufgrund der geografischen Besonderheiten in Afghanistan nicht einsetzbar“. Die großen Panzer seien von ihren Ausmaßen her nicht geeignet für Patrouillenfahrten in den engen Gassen der Dörfer im Einsatzgebiet. Die meisten Brücken dort trügen außerdem die Last der bis zu 60 Tonnen schweren Fahrzeuge gar nicht. Gegen die großen Panzer wird auch angeführt, dass sie sich gegen den Häuserkampf der Taliban schwer einsetzen ließen, weil man damit Zivilisten gefährden würde. Die Aufständischen griffen in Ortschaften oder in deren Nähe an und missbrauchten damit Zivilisten zumindest indirekt als Schutzschilde.

Allein: Der „Leopard“ war längst einsatzerprobt – auch am Hindukusch. In Afghanistan nutzten die Dänen und Kanadier den deutschen Kampfpanzer in den südlichen Unruheprovinzen. Dort hielt der Kettenpanzer selbst größeren Sprengfallen stand. Michael Schmidt

 

Nicht afghanistantauglich? Die Kanadier setzten den Kampfpanzer Leopard 2 auch am Hindukusch ein. Foto: AFP

Nicht afghanistantauglich? Die Kanadier setzten den Kampfpanzer Leopard 2 auch am Hindukusch ein. Foto: AFP