Kampf um die Köpfe –
Freiwilligenarmee sucht Nachwuchs

„Eine der größten Gefahren für die Einsatzfähigkeit der Truppe ist, wenn uns die qualifizierten Menschen ausgehen.“ Das sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bei der Vorstellung ihrer Attraktivitätsoffensive Anfang diesen Jahres. Mit dem Aussetzen der Wehrpflicht 2011 hat für die Bundeswehr eine ganz neue Mission auf ungewohntem Terrain begonnen. Auf der Suche nach geeignetem Nachwuchs für die Freiwilligen-Armee tritt die Truppe jetzt in direkten Wettstreit mit der Wirtschaft – und das in Zeiten von Führungs- und Fachkräftemangel. Der Kampf mit den Unternehmen um die „besten Köpfe“ ist eine der größten Herausforderungen.

Mit der Wehrpflicht hatte die Bundeswehr auch immer ein wichtiges Mittel zur Personalgewinnung auf ihrer Seite, das nun wegfällt. Das Feld, auf das sich jetzt auch die Bundeswehr begibt, ist in der Sprache der Personaler häufig nichts anderes als ein „War for Talent“. Diesen martialischen Begriff prägte unter anderem die Unternehmensberatung McKinsey Ende der 1990er Jahre vor dem Hintergrund der Globalisierung, die es Unternehmen immer schwieriger macht, motivierte und talentierte Mitarbeiter an sich zu binden.

 

Attraktivitätsoffensive

Attraktivitätsoffensive

Die Vereinbarkeit von Dienst und Privatleben gehört zur Attraktivitätsoffensive von Ministerin Ursula von der Leyen, die im Mai 2014 die Kinderkrippe der Bundeswehr-Uni, die erste ihrer Art, in München eröffnete. Foto: dpa

Für eine familienfreundlichere Bundeswehr

Für eine familienfreundlichere Bundeswehr

Der Standortälteste und der einjährige Carl in "Theos Zwergenstube" - auf dem Gelände der Theodor-Körner-Kaserne in Lüneburg: Eine der bundesweit ersten Kasernen-Kitas für eine familienfreundlichere Bundeswehr. Foto: dpa

 

Längst kommt es nicht mehr nur darauf an, dass der Bewerber zum künftigen Arbeitgeber passt. Nicht nur der Bewerber muss glänzen, sondern auch der Arbeitgeber: Wie fühlt es sich bei dem an? Was kann man dort lernen? Wofür steht er? Es sind solche Fragen, die Bewerber beantwortet haben wollen. Leyens Plan: Eine von Soldaten immer wieder geäußerte Forderung, länger auf einem Dienstposten oder an einem Standort zu bleiben und nicht ständig umziehen zu müssen, soll erfüllt werden. Hinzu kommen der Aufbau eines Talentpools, E-Recruiting, Langzeitarbeitskonten für alle Beschäftigten, Kita-Plätze.

Die Bundeswehr hat längst angefangen, aktiv für sich zu werben – unter anderem mit TV- und Kinospots, nicht unumstrittenen Info-Veranstaltungen an Schulen und einem Karriere-Portal im Internet. „Wenn Sie sich schon immer gefragt haben, welche Laufbahn ist die richtige für mich? Wie wird man Kampfschwimmer? Wie sieht der Einstellungstest der Bundeswehr aus? Was sind meine Möglichkeiten mit einem abgeschlossenem Studium? Dann sind Sie in unserem Karriere-Forum genau richtig!“, heißt es zur Begrüßung. Und auf seiner Website liefert der Reservistenverband mit einem Slogan möglicherweise das zentrale Motto für die Personalgewinnung: „Tu was für dein Land!“ Michael Schmidt