Geld und Leben –
Was Deutschland der Einsatz wert ist

Der Preis für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan war hoch. Viel höher als erwartet, vor allem weil mehr als 50 deutsche Soldaten am Hindukusch ums Leben gekommen sind. 35 von ihnen fielen bei Kämpfen oder Anschlägen, die übrigen starben meist durch Unfälle, einige nahmen sich auch das Leben. Und weil die Gefahren für die Soldaten in dem Einsatz immer größer wurden, stieg mit den Jahren auch der finanzielle Aufwand für die Beteilung Deutschlands an der „International Security Assistance Force“ (Isaf) der Nato.

2002, als die Soldaten rund um Kabul noch in ungepanzerten Fahrzeugen unterwegs waren, kostete der Bundeswehreinsatz rund 430 Millionen Euro, 2010, als der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nach den sogenannten Karfreitagsgefechten mit drei toten deutschen Soldaten die Verlegung von Panzerhaubitzen nach Afghanistan ankündigte, schossen die Ausgaben in die Höhe – auf mehr als eine Milliarde Euro jährlich. Bis Ende 2013 kamen so insgesamt mehr als acht Milliarden Euro für den Militäreinsatz zusammen, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervorgeht. Hinzu kommen die Einsatzkosten für 2014 und für den Abzug, der bereits im vollen Gange ist. Zum Vergleich: Die Beteiligung an der Kosovo Force (Kfor) hat seit 1999 circa 3,3 Milliarden Euro gekostet. Die Anti-Piraterie-Operation Atalanta am Horn von Afrika, zu der die Bundeswehr seit 2008 vor allem mit Kriegsschiffen und Seefernaufklärern ihren Beitrag leistet, schlägt mit 291 Millionen Euro zu Buche, der Unifil-Einsatz vor der Küste des Libanons seit 2006 mit 330,8 Millionen.

Kabul 2001: Bilder wie diese waren es, die der Weltgemeinschaft vor Augen führten, dass das Land am Hindukusch mindestens einen "Marshall-Plan" braucht. Foto: dpa

Kabul 2001: Bilder wie diese waren es, die der Weltgemeinschaft vor Augen führten,
dass das Land am Hindukusch mindestens einen „Marshall-Plan“ braucht. Foto: dpa

Gemessen an den Kosten für den Militäreinsatz erscheint die zivile Unterstützung Afghanistans durch Deutschland eher gering. Rund 1,72 Milliarden Euro Entwicklungshilfe flossen seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 in das Land. Diese Förderung soll allerdings auch nach dem Abzug der internationalen Kampftruppen Ende 2014 aufrechterhalten werden. Zunächst bis 2016 hat Deutschland den Afghanen 430 Millionen Euro jährlich für den Wiederaufbau zugesagt. Ulrike Scheffer