Experten kritisieren: Bundeswehr
hat Milizen gewähren lassen

Ende 2013 hat das Afghanistan Analysts Network, ein Zusammenschluss unabhängiger Forscher, in einer Studie Mängel des deutschen Afghanistan-Einsatzes angeprangert. Konkret geht es um die Situation in den Provinzen im Norden des Landes, die die Bundeswehr bereits geräumt hatte. In der Studie heißt es, die Deutschen hätten lokale Milizen gewähren lassen und so indirekt parallele Machtstrukturen gebilligt. „Wer dauerhaft Frieden schaffen will, muss aber dafür sorgen, dass sich die Macht monopolisiert“, sagt Philip Münch, der Autor der Studie. Die Bundeswehr hingegen habe im Norden Afghanistans letztlich mit allen Seiten kooperiert, um gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Gruppen zu verhindern. Damit habe sie die alten Machtstrukturen zementiert und ehemaligen Kriegsherren die Gelegenheit gegeben, ihre Stellung zu festigen.

Viele Warlords haben wichtige Posten übernommen

Viele konnten wichtige Posten als Gouverneure oder bei den Sicherheitskräften übernehmen, während sie sich teilweise weiter private Milizen hielten. Einige dieser Milizen wurden sogar mit Hilfe westlicher Armeen ausgerüstet und als Hilfstrupps der überforderten afghanischen Polizei eingesetzt. Wie sich die lokalen Machthaber künftig verhalten und gegen wen sie ihre Milizen einsetzen werden, ist ungewiss. Münch schließt einen neuen Bürgerkrieg nicht aus. Aber: „So lange weiter Hilfsgelder in die Region fließen, wird es ruhig bleiben, denn von der Hilfe profitieren alle Gruppen, und alle haben Angst, dass die Geldquellen nach neuen Gewaltausbrüchen versiegen könnten.“ Ulrike Scheffer