Afghanistan – Der größte Einsatz
in der Geschichte der Bundeswehr

Gefallene, Verwundete, Krieg, Veteranen – wie kein anderer Einsatz zuvor, prägt die Afghanistanmission die Bundeswehr als weltweit einsetzbare Interventionsarmee. Seit 13 Jahren engagiert sich Deutschland mit seinen Partnern am Hindukusch. Ende 2014 soll der bewaffnete Kampfeinsatz enden. Der Abzug läuft bereits.

Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 in New York beschloss die internationale Gemeinschaft in Afghanistan einzugreifen, wo das radikalislamische Talibanregime den Urhebern der Anschläge um Al-Qaida-Chef Osama bin Laden Unterschlupf gewährte. Nie wieder sollte das kriegszertörte Land ein Rückzugsraum für den internationalen Terrorismus werden.

Was als Stabilisierungsmission in der Hauptstadt Kabul begann, weitete sich nach und nach zum größten Einsatz in der Geschichte der Bundeswehr aus, der jetzt schon mehr als doppelt so lange wie der Zweite Weltkrieg dauert.

 

Wie alles begann: Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001

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Eine Zeitenwende - danach war nichts mehr wie zuvor

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Der Drahtzieher: Im Schutz des Taliban-Regimes plante Osama bin Laden die Anschläge

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PHASE 1 – SCHUTZ DER REGIERUNG IN KABUL

Am 22. Dezember 2001 verabschiedet der Deutsche Bundestag das erste Afghanistan-Mandat. Mit bis zu 1200 Soldaten soll sich die Bundeswehr an der internationalen Schutztruppe Isaf beteiligen, um im Auftrag der Vereinten Nationen „die vorläufigen Staatsorgane Afghanistans bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit in Kabul und seiner Umgebung so zu unterstützen, dass sowohl die vorläufige afghanische Regierung als auch das Personal der Vereinten Nationen in einem sicheren Umfeld arbeiten können“.

 

Dezember 2002, Bonn, Petersberg: Der afghanische Präsident Hamid Karsai  und Bundeskanzler Gerhard Schröder auf dem Weg zum Sitzungssaal, in dem die internationale Afghanistan-Konferenz abgehalten wird. Die internationale Gemeinschaft sagt Afghanistan Hilfe beim Wiederaufbau zu. Foto: dpa

Dezember 2002, Bonn, Petersberg: Der afghanische Präsident Hamid Karsai und Bundeskanzler Gerhard Schröder auf dem Weg zum Sitzungssaal, in dem die internationale Afghanistan-Konferenz abgehalten wird. Die internationale Gemeinschaft sagt Afghanistan Hilfe beim Wiederaufbau zu. Foto: dpa

 

Anfang Januar 2002 treffen die ersten Isaf-Kräfte in Kabul ein. Deutsche Soldaten beteiligen sich erstmals am 14. Januar an einer Patrouille in der kriegszerstörten Stadt. Aufgrund der anfangs niedrigen Gefährdungslage tragen sie Mützen statt Helme und bewegen sich mit ungepanzerten Fahrzeugen durch das Land. Für die Versorgung der deutschen Truppen wird im Nachbarland Usbekistan in Termes ein Luftumschlagplatz in Betrieb genommen.

Erste wichtige Aufgabe der Isaf ist die Absicherung der Loja Dschirga zur Etablierung einer afghanischen Übergangsregierung im Juni 2002. Auch der vereinbarte Aufbau der Afghanischen Nationalarmee beginnt. Nur wenige Wochen später werden der deutschen Bevölkerung die Gefahren des neuen Einsatzes bewusst, als zwei deutsche und drei dänische Soldaten beim Entschärfen einer Flugabwehrrakete sowjetischer Bauart sterben und weitere Soldaten verletzt werden.

Im Juni 2003 sterben die ersten deutschen Soldaten durch einen Selbstmordanschlag

Doch nicht nur die Hinterlassenschaften des Krieges stellen für die internationalen Truppen eine Gefahr dar. Die Bundeswehr muss erkennen, dass sie mit ihrer Beteiligung an der internationalen Stabilisierungsmission ins Fadenkreuz von Terroristen gerät. Am 7. Juni 2003 wird auf die Bundeswehr der erste tödliche Anschlag verübt. Auf der Fahrt eines deutschen Konvois zum Kabul International Airport zerstört die Bombe eines als Taxi getarnten Selbstmordattentäters einen Bundeswehrbus. Vier deutsche Soldaten werden getötet, 29 zum Teil schwer verletzt. Die Bundeswehr setzt angesichts derartiger Anschläge zunehmend gepanzerte Fahrzeuge ein.

 

Phase 2 – Deutschland übernimmt Verantwortung

 

Außerhalb von Kabul kommt es immer wieder zu Kämpfen mit Taliban und Al-Qaida-Kämpfern. Der bewaffnete Kampf ist vor allem Aufgabe der Anti-Terror-Operation „Enduring Freedom“, die parallel zur internationalen Schutztruppe gegen Terroristen und Kämpfer des besiegten Talibanregimes vorgeht und vor allem von US-Truppen getragen wird. Auf Wunsch der afghanischen Regierung wird das Operationsgebiet von Isaf im Herbst 2003 ausgeweitet, um auch außerhalb von Kabul für Sicherheit und Stabilität zu sorgen. Die internationalen Truppen werden verstärkt, darunter auch das deutsche Kontingent. Bundeswehrsoldaten übernehmen das von den Amerikanern aufgebaute Regionale Wiederaufbauteam (PRT) in der nordafghanischen Provinz Kundus.

LESEN SIE HIER WIE SICH DAS DEUTSCHE KOMMANDO SPEZIALKRÄFTE
AM ANTI-TERROR-KAMPF BETEILGT

 

Damals gibt es eine einzige geteerte Straße in der gleichnamigen Provinzhauptstadt, in der sich die Menschen vor allem zu Fuß oder mit Pferdekutschen fortbewegen. Heutzutage herrscht morgens Berufsverkehr, die Autos rollen beinahe durchweg über Asphalt, Kutschen sind fast verschwunden. Das ist das sichtbarste Zeichen dafür, wie sich die Region mit deutscher Hilfe entwickelt hat. Kundus hat zugleich die Bundeswehr verändert – deren Soldaten erst als Entwicklungshelfer in Uniform belächelt wurden und nun als Kämpfer abziehen.

 

Eine Stadt aus Zelten und Container: Das Feldlager Kundus

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Mit Sandsächen und Tarnnetzen geschützt: Das Kommandeursgebäude im Bundeswehr-Camp

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Der Zugang zum Camp wird steng kontrolliert

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Als Deutschland mit dem zivil-militärischen Wiederaufbauteam (PRT) in Kundus antritt, schätzt die Bundeswehr die Lage dort als „ruhig, aber nicht stabil“ ein – kaum jemand kann damals ahnen, wie zutreffend diese Analyse noch sein wird. Die Deutschen übernehmen das PRT von den Amerikanern in der Provinz. Noch im Herbst 2003 sagt der damalige US-Kommandeur des PRT, Oberst Frederick Tawes: „Die Sicherheitslage ist wahrscheinlich die beste in Afghanistan.“ Seine Soldaten hätten während des ganzen Einsatzes keinen Schuss abgeben müssen. Angst müssten die Deutschen also keine haben. Am Anfang wird der neue deutsche Standort als „Bad Kundus“ verspottet.

Im Zuge der weiteren Ausweitung des Isaf-Mandates betreibt die Bundeswehr ab Sommer 2004 ein weiteres PRT in Faisabad, während sie die in Kabul stationierten deutschen Kräfte nach und nach reduziert. Im folgenden Jahr übernimmt Deutschland die Aufgaben als Regional Area Coordinator North (RAC North) und später das Regional Command North (RC North) und trägt in dieser Funktion die Verantwortung für die Koordination des Wiederaufbaus im gesamten Norden Afghanistans. In Masar-i Scharif entsteht das Camp Marmal, das Sitz des Hauptquartiers des Regionalkommandos Nord wird.

 

Phase 3 – Die Sicherheitslage verschlechtert sich

Al Quaida schien weitgehend besiegt, doch die Islamisten zogen sich zurück - und kamen wieder: Kämpfer der Taliban greifen die internationalen Truppen bis heute immer wieder an. Foto: dpa

Al Qaida schien weitgehend besiegt zu sein, doch die Islamisten zogen sich zurück – und kamen wieder: Kämpfer der Taliban greifen die internationalen Truppen bis heute immer wieder an. Foto: dpa

Trotz der erzielten Fortschritte beim Wiederaufbau und der Stabilisierung Afghanistans bereitet die Entwicklung der Sicherheitslage insbesondere im Süden und Osten seit Ende 2005 zunehmend Sorge. Neben organisierter Kriminalität, Drogenkriminalität und Stammesrivalitäten versuchen die zuvor ins Nachbarland Pakistan ausgewichenen Taliban immer massiver, verloren gegangenes Terrain in Afghanistan zurückzugewinnen. Angriffe und Anschläge auf Isaf-Soldaten und afghanische Sicherheitskräfte sowie auf Mitarbeiter der Vereinten Nationen und Entwicklungsorganisationen nehmen zu.

Zwar bleibt es im deutschen Verantwortungsbereich im Norden Afghanistans zunächst ruhig, doch ab 2007 häufen sich auch hier die Angriffe von Aufständischen. Taliban-Kämpfer sickern in den Norden Afghanistans ein. Sie überfallen Städte und Polizeistationen. Neben Stabilisierung und Wiederaufbau muss sich die Bundeswehr zunehmend der Bekämpfung von feindlichen Kräften zuwenden. Aus dem Stabilisierungseinsatz wird einer zur Aufstandsbekämpfung.

2010 kommt es zum schwersten Gefecht
deutscher Soldaten seit dem Zweiten Weltkrieg

Im Mai 2007 werden drei deutsche Soldaten bei einem Selbstmordanschlag in Kundus-Stadt getötet. Die Taliban bringen ganze Distrikte unter ihre Kontrolle, die Sicherheitslage verschlechtert sich stetig. Unter deutschem Kommando gelingt es internationalen und afghanischen Truppen von den Taliban besetzte Gebiete zurückzugewinnen. Auf Anfrage der Nato stellt die Bundeswehr ab Juli 2008 die Kräfte für die Quick Reaction Force in Nordafghanistan. Der bislang von Norwegen gestellte Kampfverband wird mit gepanzerten Transportfahrzeugen und dem Schützenpanzer Marder 1A5 ausgestattet

In der Provinz Kundus kommt es am Karfreitag 2010 zu Kämpfen mit den Taliban. Drei Bundeswehrangehörige kommen ums Leben. Es ist das schwerste Gefecht deutscher Soldaten seit dem Zweiten Weltkrieg.

 

Der offizielle Ehrenhain

Der offizielle Ehrenhain

Hier gedenken bei Truppenbesuchen Präsidenten, die Kanzlerin, die Minister der Toten. Beim Einsatz in Afghnaistan starben bisher mehr als 50 Bundeswehr-Soldaten. Foto: dpa

Leyen auf Truppenbesuch

Leyen auf Truppenbesuch

Ministerin Ursula von der Leyen nutzte ihren ersten Aufenthalt in Afghanistan, um bei einem Truppenbesuch der Toten zu gedenken. Foto: dpa

Der inoffizielle Hain

Der inoffizielle Hain

Die Soldaten haben einen eigenen Ehrenhain errichtet. Im Vordergrund die zerschossene Tür eines Panzerfahrzeugs - und ein Gehege für sieben Schildkröten. Foto: dpa

 

Im PRT Kundus erinnert der offizielle Ehrenhain an die Gefallenen, bei Truppenbesuchen gedenken dort Minister und die Kanzlerin der Toten. Soldaten haben ihren getöteten Kameraden aber auch eigene Mahnmale errichtet. Nahe des Hubschrauberlandeplatzes sind an einer Mauer große Holzkreuze für sieben Tote angebracht, darunter auch die drei Opfer vom Karfreitag 2010. Davor ist ein Gehege mit sieben Schildkröten und einer kleinen deutschen Flagge. „Schildkröten symbolisieren in diesem Land ewiges Leben“, steht auf einem Schild. „Damit unsere gefallenen Kameraden in unseren Gedanken immer weiter leben, halten wir für jeden Kameraden eine Schildkröte“.

Nach dem Luftangriff auf zwei Tanklaster
in Kundus ist klar: Das hier ist Krieg

Nicht nur mit dem Karfreitags-Gefecht, auch mit einem anderen verhängnisvollen Vorfall ist der Name Kundus untrennbar verbunden: Im PRT ordnet Oberst Georg Klein – später zum Brigadegeneral befördert – im September 2009 einen Luftschlag auf zwei von den Taliban gekaperte Tanklastwagen an. Bei dem nächtlichen Bombardement werden nach Nato-Einschätzung bis zu 142 Menschen, darunter viele Zivilisten, getötet und weitere verletzt.
Im öffentlichen Bewusstsein in Deutschland kommt spätestens jetzt an, dass die Bundeswehr in Afghanistan im Krieg ist – auch wenn die Bundesregierung diesen Ausdruck damals weiterhin vermeidet.


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Bei dem von Bundeswehr-Oberst Klein befohlenen Luftangriff auf zwei Tanklaster kommen nach Nato-Schätzungen mehr als 140 Menschen, darunter zahlreiche Zivilisten ums Leben. Foto: dpa

Bei dem von Bundeswehr-Oberst Klein befohlenen Luftangriff auf zwei Tanklaster kommen nach Nato-Schätzungen mehr als 140 Menschen, darunter zahlreiche Zivilisten ums Leben. Foto: dpa

Drei Wochen vor dem Bombardement sagt Oberst Klein zur Lage in Kundus: „Es vergeht fast kein Tag mehr, an dem nicht geschossen wird.“ Die Taliban errichteten in der Provinz inzwischen mobile Straßensperren. „Die Soldaten müssen in dem Moment auf Angriffe eingestellt sein, wo sie das Tor des Lagers hinter sich lassen. Im Lager muss man mit Raketenangriffen rechnen.“ Der Einsatz der Bundeswehr ist geprägt von beinahe täglichen Feuergefechten. Bei seinen Angriffen und Hinterhalten geht der Gegner zunehmend militärisch organisiert vor. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg spricht erstmals von „kriegsähnlichen Zuständen“ und trifft damit das Gefühl vieler Soldaten, die sich in Afghanistan beinahe täglich stundenlange Gefechte mit einem asymmetrisch kämpfenden Gegner liefern. Die Bundeswehr reagiert auf die gestiegene Bedrohung und verlegt zusätzliche schwere Waffen wie die Panzerhaubitze 2000 nach Afghanistan.

Auch rechtlich setzt man sich in Deutschland mit dem Bundeswehreinsatz neu auseinander. Im Zuge der Aufarbeitung des Luftangriffes von Kundus entscheidet die Bundesanwaltschaft im März 2010, dass es sich beim Afghanistaneinsatz der Bundeswehr um einen nichtinternationalen bewaffneten Konflikt – sprich Bürgerkrieg – handelt. Für Soldaten der Bundeswehr gilt daher statt des deutschen Strafgesetzbuches das Völkerstrafgesetzbuch.

 

Phase 4 – Strategiewechsel, Neuausrichtung und Übergabe der Sicherheitsverantwortung – Abzug

Unter dem Eindruck der landesweiten Verschlechterung der Sicherheitslage entschließen sich die Nato-Staaten zu einer massiven Aufstockung der Isaf-Truppen und gleichzeitig zu einem weitreichenden Strategiewechsel. Die Anstrengungen im Bereich Aufbau und Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte werden deutlich verstärkt und das militärische Engagement stellt noch stärker den Schutz der afghanischen Bevölkerung in den Vordergrund.

Statt aus den wenigen Feldlagern heraus die Umgebung durch Patrouillen zu sichern, geht Isaf dazu über, das von Aufständischen befreite Gebiet auch durch permanente Präsenz von Truppen zu sichern. In diesen Zusammenhang gehört zum Beispiel die Operation Halmasag – die erste deutsche Offensive seit dem Zweiten Weltkrieg. Es gelang der Bundeswehr die Aufständischen aus dem gefährlichsten Distrikt Nordafghanistans zu großen Teilen zu verdrängen.


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Diese „Blitz“-Operation markiert eine Zäsur. Es war die erste deutsche Offensive seit dem Zweiten Weltkrieg.  Foto: dpa

Diese „Blitz“-Operation markiert eine Zäsur.
Es war die erste deutsche Offensive seit dem zweiten Weltkrieg. Foto: dpa

„Partnering“ hieß das Schlüsselwort. Dabei werden die Afghanen verstärkt in die Operationen eingebunden. In Masar-i Scharif und Kundus werden jeweils ein deutsches Ausbildungs- und Schutzbataillon aufgestellt, ausgerüstet mit allem, was für selbstständige und intensive Operationen notwendig ist – Kampftruppen, Pioniere, Sanitäter, Aufklärer und Kampfmittelbeseitiger. Sie ersetzen die QRF, die im Oktober 2010 aufgelöst wird.

 

FOTOSTRECKE „PARTNERING“

 

Die Soldaten operieren in der Fläche, sind ständig präsent. Auch wenn sich das Risiko für die Soldaten zunächst erhöht, zeigt die neue Vorgehensweise Erfolge. Die Isaf lässt sich Räume, die sie gewonnen hat, nicht mehr nehmen, sondern überführt sie in die Sicherheitsverantwortung der Afghanen, sobald diese dazu in der Lage sind. Darüber hinaus werden vor allem die Anführer der Aufständischen von Spezialkräften ins Visier genommen. Für die Aufständischen werden die Rückzugsräume immer kleiner. Viele geben den Kampf auf und ergreifen im Reintegrationsprogramm für Talibankämpfer die Chance für ein neues Leben.

Ihr habt Uhren,
wir haben ZeitSpruch der Taliban

Im ersten Halbjahr 2011 ändern die Aufständischen ihre Vorgehensweise. Statt die Isaf-Truppen in Hinterhalte und Gefechte zu verwickeln, setzen sie verstärkt auf behelfsmäßig hergestellte Sprengfallen. Getarnt als Abfall am Straßenrand, versteckt in Wasserdurchläufen unter der Straße sind die im Fachjargon IED genannten Sprengvorrichtungen die tödlichste Gefahr für die Soldaten. Der nahende Abzugstermin der internationalen Truppen lässt sie neue Hoffnung schöpfen. „Ihr habt Uhren, wir haben Zeit“, ist ein oft gehörter Spruch. Man wartet ab. Geduldig. Je näher der Abzug rückt, desto größer wird der neue Einfluss der Taliban. Nach all den Jahren, nach mehr als 50 toten deutschen Soldaten, ist ein Erfolg der internationalen Militärmission in Afghanistan deshalb mehr als fraglich. Weshalb die Debatte über das Für und Wider dieses Bundeswehreinsatzes auch mit unverminderter Intensität weiter geführt wird. Michael Schmidt

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