Die Euro-Hawk-Affäre

Die Euro-Hawk-Affäre – am Ende hat sie Thomas de Maiziere wieder vom Verteidigungs- zum Innenminister gemacht. Worum ging es? Es ging um das Scheitern eines der wichtigsten Rüstungsprojekte der Bundeswehr und einen Schaden für den Bundeshaushalt in dreistelliger Millionenhöhe.

Dunkle Schatten: Minister Thomas de Maiziere muss erst dem Untersuchungsausschuss des Bundestages zur Euro-Hawk-Affäre Rede und Antwort stehen, dann auch der Presse und Öffentlichkeit. Foto: dpa

Dunkle Schatten: Minister Thomas de Maiziere muss erst dem Untersuchungsausschuss des Bundestages zur Euro-Hawk-Affäre Rede und Antwort stehen, dann auch der Presse und Öffentlichkeit. Foto: dpa

Der Euro Hawk ist eine abgewandelte Version der US-Aufklärungsdrohne Global Hawk, die als größtes unbemanntes Flugzeug der Welt gilt. Mit einer Länge von 14,5 Metern und einer Spannweite von 40 Metern haben sie fast die Ausmaße eines Passagierflugzeugs. Sie können bis zu 30 Stunden in der Luft bleiben und 18 Kilometer hoch fliegen. In diese Höhe dringt keine Passagiermaschine vor.
Die Idee für den Euro Hawk stammt noch aus rot-grünen Regierungszeiten. Das Problem an dem Projekt war nicht, dass es überhaupt gestartet wurde. Im Gegenteil: Das rot-grüne Lager ist sich mit dem schwarz-gelben bis heute einig, dass ein solches Aufklärungsflugzeug gebraucht wird. Das Problem war, dass gravierende Zulassungsprobleme nicht frühzeitig erkannt wurden und dass selbst dann noch eineinhalb Jahre vergingen, ehe Konsequenzen gezogen wurden. In den Vertrag von 2007 wurde zudem keinerlei Absicherung gegen die Risiken eingebaut. Ein dreistelliger Millionenbetrag ist damit ganz einfach futsch.
Der Grund für das Scheitern hört sich banal an. Es geht um fehlende Dokumente über die Konstruktion von 120 Komponenten des Fliegers. Die wollten die Amerikaner aus Geheimhaltungsgründen nicht herausgeben, oder sie existierten noch gar nicht, weil in den USA nach anderen Regeln gearbeitet wird. Damit entspricht der Euro Hawk nicht den europäischen Standards. Die Anfertigung der notwendigen Dokumentationen hätte bis zu 600 Millionen Euro gekostet. Und selbst dann wäre eine Zulassung noch nicht sicher gewesen.

Wie geht es weiter?

Seit kurzem sieht es so aus, als ob die Drohne doch noch einmal abheben wird, wenn auch wahrscheinlich nur zu Testzwecken. Anfang Oktober erhielt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ein Gutachten externer Experten, die drei Monate lang die neun größten Rüstungsprojekte der Bundesregierung untersucht haben. Deren Analyse könnte zu einem Euro-Hawk-Comeback führen. Das Ministerium lässt seit Monaten prüfen, ob das von Airbus entwickelte 288 Millionen Euro teure Aufklärungssystem der Drohne gerettet werden kann, indem man es in ein anderes Flugzeug integriert. Als Alternative kamen ein Passagierflugzeug für Mittelstrecken, ein deutlich kleineres Geschäftsflugzeug und eine Drohne für mittlere Flughöhen infrage.

Die Wirtschaftsprüfer favorisieren nun eine Drohnen-Lösung. Um diese zu ermöglichen, erwägt das Ministerium weitere Tests des Aufklärungssystems im Euro Hawk. Über die Probeflüge hinaus hat die Skandal-Drohne aber wohl eher keine Zukunft mehr.

Das Verteidigungsministerium interessiert sich bereits seit längerem für die Schwester-Drohne „Triton“. Sie stammt wie der Euro Hawk vom US-Hersteller Northrop Grumman und ist ebenfalls eine Weiterentwicklungen des Global Hawk. „Triton“ befindet sich noch in der Entwicklung und absolvierte erst im vergangenen Jahr ihren Erstflug für die US-Marine. Das US-Fachmagazin „Defense Daily“ berichtete bereits im September im Internet über ernsthafte Gespräche zwischen den Entwicklern und der deutschen Regierung. „Wenn man sich anschaut, wie sie immer wieder hierher kommen und reden wollen, dann denke ich, es ist mehr als nur ein beiläufiges Interesse“, wird Programmmanager Jim Hoke zitiert.

Für „Triton“ wird ein Anti-Kollisions-System entwickelt, das beim Euro Hawk noch fehlt. Damit könnte eine Zulassung für den deutschen Luftraum wahrscheinlicher werden. In anderen Bereichen seien noch weitere Anstrengungen nötig, um den deutschen Standards gerecht zu werden, sagt Hoke. „Wir haben noch nicht die 100-prozentige Lösung, aber wir haben einen großen Teil der Bedenken ausgeräumt.“ Michael Schmidt

 

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