Der Abzug –
Keine Operation wie jede andere

Es ist die größte Militäroperation in der Geschichte der Bundeswehr. Der Rücktransport von Material und Gerät aus Afghanistan. Wenn die Isaf-Mission Ende 2014 beendet wird, sollen nur maximal 800 deutsche Soldaten im Land bleiben und an einer geplanten Folgemission mitarbeiten. Dann geht es nur noch um die Ausbildung der afghanischen Streitkräfte, die den Kampf gegen die Taliban und andere Aufständische im Land ohnehin längst allein führen. Die Bundeswehr ist seit Monaten vor allem mit Abrüstung beschäftigt. Großes Gerät wird von Afghanistan aus zum türkischen Hafen Trabzon geflogen, wo regelmäßig riesige Schiffe mit Bundeswehrfahrzeugen und Containern Richtung Deutschland ablegen. Zurück bleibt allenfalls die Büroeinrichtung der Bundeswehrlager im Norden Afghanistans.

 

Alles muss raus...

Alles muss raus...

... fast alles jedenfalls. Vieles wird verschrottet, manches verkauft, einiges an die Afghanen übergeben. Foto: dpa

Soldatenfutter

Soldatenfutter

Panzerkekse und andere Leckereien - auch das geht wieder mit zurück nach Hause. Foto: dpa

Schlüsselübergabe

Schlüsselübergabe

Und dann wird symbolisch der Schlüssel - und tatsächlich die Verantwortung für die Sicherheit im Lande an die Afghanen übergeben. Foto: dpa

 

Im Bundesverteidigungsministerium heißt es, Material, das als Rüstungsgut klassifiziert sei, also vor allem Waffen, müsse grundsätzlich nach Deutschland zurückgeführt oder zerstört werden. Weit mehr als 1500 Container mit Material sind daher bereits auf dem Weg nach Deutschland ebenso wie mehr als 760 Fahrzeuge. 550 Fahrzeuge und rund 3230 Material-Container sollen folgen. Wie viel Material vor Ort zerstört wurde, gibt das Ministerium nicht preis. Aus Afghanistan ist allerdings zu hören, dass sich der Schrotthandel im Land durch den Abzug der Nato-Truppen zu einem Boomsektor entwickelt hat.

 

Mission accomplished? Das wird wohl erst die Zukunft erweisen. Foto: dpa

Mission accomplished? Das wird wohl erst die Zukunft erweisen. Foto: dpa

 

In Kundus, wo die Bundeswehr schon im Oktober 2013 abzog, stieg über dem Lager der Bundeswehr zuletzt allerdings auch auffallend viel Rauch auf. Material, das nicht mitgenommen werden sollte, wurde hier oft schlicht verbrannt. Unter anderem auch GPS-Geräte. Dabei handele es sich vor allem um amerikanische Geräte mit einer sogenannten Endverbleibsklausel, sagt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Eine Weitergabe sei hier im Kaufvertrag ausdrücklich ausgeschlossen. Gerieten GPS-Geräte in falsche Hände, könnten feindliche Kräfte an sensible Daten gelangen und beispielsweise Rückschlüsse ziehen, wie der Verbindungsaufbau zu Satelliten hergestellt werde, so die Begründung. Ulrike Scheffer