Ein schwieriges Verhältnis

Die Bundeswehr versteht sich als eine Armee in der Demokratie. Wie es die Vorschrift zur Inneren Führung festlegt, streben die deutschen Streitkräfte danach, „die Einbindung der Bundeswehr in Staat und Gesellschaft zu erhalten und zu fördern, Verständnis für den Auftrag der Bundeswehr im Rahmen der deutschen Sicherheits- und Verteidigungspolitik bei den Bürgerinnen und Bürgern zu gewinnen sowie die Soldatinnen und Soldaten aktiv in die durch ständigen Wandel geprägten Streitkräfte einzubeziehen.“ Bürger in Uniform sollen die Soldaten der Bundeswehr laut eigenem Anspruch sein – ein Querschnitt der Deutschen aus der Mitte der Gesellschaft im Einsatz für das Volk. Menschen, die das Wohl der Bundesrepublik unter Einsatz ihres Lebens verteidigen.

Doch wie steht es um das gesellschaftliche Ansehen der Bundeswehr? Wie anerkannt sind die deutschen Streitkräfte bei den Bürgerinnen und Bürgern? Welche Unterstützung erfahren die Auslandseinsätze? Wie sieht es bei den westlichen Partnern aus? Und welche Entwicklungen sind nach dem Ende der Wehrpflicht zu erwarten?

 

Umstrickt und umstritten: Ein Panzer des Militärhistorischen Museums bekommt eine bunte Strickhülle – als Zeichen gegen Krieg und Gewalt. Foto: dpa

 

Generell haben die Deutschen mit ihrer Armee kein Problem: Mehr als drei Viertel der Bevölkerung stehen der Bundeswehr positiv gegenüber, wie Umfragen aus den vergangenen zwei Jahrzehnten belegen. Allerdings genießen Deutschlands Soldaten in ihrem Land bei weitem nicht ein so hohes Ansehen, wie das in anderen Nationen wie beispielsweise den USA oder Großbritannien der Fall ist. In beiden Ländern ist das Militär viel mehr als in der Bundesrepublik im öffentlichen Alltag und Bewusstsein präsent und wird von den Bürgern auch gewürdigt. Dass ein deutscher Bürger einem ihm unbekannten Soldaten spontan die Hand schüttelt und sich für seinen Dienst bedankt, ist in der Bundesrepublik unvorstellbar. In den USA passiert so etwas täglich.

Wieviel Anerkennung ist nötig,
wieviel Rückhalt möglich?

Eine solche Verehrung ist deutschen Soldaten fremd. Vom früheren Bundespräsidenten Horst Köhler stammt der Ausdruck des „freundlichen Desinteresses“ der Deutschen an der Bundeswehr. Ihm zufolge gibt es keine ausreichende Unterstützung für die Soldatinnen und Soldaten aus der Gesellschaft. Es fehle eine substanzielle, innerliche Hinwendung zu den Streitkräften. Das ehemalige Staatsoberhaupt knüpfte seine Feststellung an die Forderung, den Männern und Frauen in Uniform doch bitte mehr Aufmerksamkeit, Solidarität und Dankbarkeit entgegenzubringen.Andere wie der ehemalige Verteidigungsminister Thomas de Maizière sind gegenteiliger Auffassung: Viele Soldaten hätten überzogene Erwartungen hinsichtlich dessen, was an sozialem Rückhalt in modernen, westlichen Demokratien üblich und machbar sei – ja sie seien geradezu süchtig und gierten unangemessen nachdrücklich nach Anerkennung.

Wie auch immer man das sieht, virulent bleibt die Frage, wie man auf jemanden aufmerksam werden soll, der allenfalls an großen Bundeswehr-Standorten präsent ist. Sinkende Verteidigungsetats und die Aussetzung der Wehrpflicht haben dazu geführt, dass das Militär in bestimmten Landstrichen schlichtweg nicht mehr vertreten ist.

 

Der Helfer in der Not...

Der Helfer in der Not...

... wie hier beim Sandsäckeschleppen zwecks Eindämmung eines Hochwassers, genießt bei den Bundesbürgern in Umfragen hohes Ansehen. Foto: dpa

Der Kämpfer in der Fremde...

Der Kämpfer in der Fremde...

... dagegen ist den Deutschen nicht so lieb: Auslandseinsätze der Bundeswehr wie hier in Afghanistan werden mehrheitlich abglehnt. Foto: dpa

 

Und so lange die deutschen Streitkräfte die Sicherheit des Landes vor allem bei Hochwasserkatastrophen im Inland mit Sandsäcken und im Ausland mit Waffengewalt verteidigen, wird Köhlers Forderung ein frommer Wunsch bleiben. Das hohe soziale Ansehen der Soldaten endet in Deutschland nämlich schlagartig dort, wo sie sich auf fremdes, mithin weit entferntes Terrain begeben. Die bewaffneten Auslandseinsätze der Bundeswehr in Kosovo, am Horn von Afrika und in anderen Ländern, vor allem aber in Afghanistan stoßen beim Volk auf wenig Gegenliebe, auch wenn sämtliche „Out-of-Area“-Missionen der deutschen Streitkräfte vom Bundestag legitimiert sind. Besonders der deutsche Beitrag zur internationalen Afghanistanschutztruppe Isaf der Nato ist dem hiesigen Volk ein Dorn im Auge: Der Zuspruch für den seit 2001 laufenden Einsatz hat über die Jahre von knapp über 60 Prozent sukzessive abgenommen und sich bei einem Wert um 45 Prozent eingependelt. Von Sarah Kramer