Beschwerden über Beschwerden –
Wie Soldaten die Bundeswehr sehen

Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages ist die Instanz, wenn es um die Sorgen und Nöte der deutschen Soldaten geht: Er nimmt Missstände innerhalb der Truppe auf, nimmt Verbesserungsvorschläge entgegen und fasst sie einmal pro Jahr in einem Bericht zusammen. Da sich jeder Soldat unabhängig von Geschlecht, Truppengattung und Dienstgrad an den Wehrbeauftragten wenden kann, liefern die Berichte des Wehrbeauftragten wichtige Anhaltspunkte über die innere Verfasstheit der Armee. Die Eingaben haben im vergangenen Jahr mit fast 5100 Soldaten-Beschwerden einen Rekordstand erreicht.

Schlechte Ausrüstung, rüder Umgangston,
miese Stimmung

Es gibt Querschnittsthemen, die seit einigen Jahren immer wieder in dem Dokument auftauchen. Solche „Klassiker“ sind etwa Ungerechtigkeiten bei der dienstlichen Beurteilung und Beförderung oder die Frage einer gerechten Besoldung. Auch der Personalmangel im medizinischen Bereich zieht sich wie ein roter Faden durch die Berichte der Wehrbeauftragten der vergangenen zehn Jahre. Der amtierende Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (FDP) zum Beispiel kritisiert in seinem Bericht 2013, dass es der Bundeswehr gerade bei den Auslandseinsätzen immer wieder an Ärzten, Sanitätern und anderem Fachpersonal mangele. Derselbe Mangel war schon 2010 Gegenstand zahlreicher Beschwerden gewesen. Ebenfalls ein Dauerbrenner: Schlechte Ausrüstung, rüde Umgangsformen, miese Stimmung.

Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf taucht nicht nur einmal im Wehrbericht auf. Die zahlreichen Beschwerden zu dem Thema lassen den Schluss zu, dass nicht nur die bei der Bundeswehr alle paar Jahre wiederkehrenden Dienstpostenwechsel, sondern besonders auch die wachsende Zahl der Auslandseinsätze vielen Bundeswehrangehörigen ein Dorn im Auge sind.

Stichwort Ausrüstung: Manche Soldaten greifen sogar ins eigene Portemonnaie für die Einsatzausrüstung in Afghanistan – und zahlen dafür „teilweise 1000 Euro und deutlich mehr“, wie Königshaus feststellte. Zum Beispiel für Einsatzhosen, Kampfjacken, Combat Shirts und Tragewesten. Foto: dpa

Seit 2001 zieht sich der Einsatz in Afghanistan wie ein roter Faden durch die Mängellisten der Wehrbeauftragten. In den Anfangsjahren der Nato-geführten Mission am Hindukusch prangerten Deutschlands Soldaten zunächst hauptsächlich fehlende oder fehlerhafte Ausrüstungsgegenstände sowie Ausbildungsdefizite an. In einem fortgeschrittenen Stadium des Einsatzes wurden Mitte des Jahrzehnts die fehlende Anerkennung thematisiert und die physischen und psychischen Belastungen des Soldatenberufs zu einem bestimmenden Thema. Zuletzt spielte, je gefährlicher der Afghanistaneinsatz wurde, eine zunehmend größere Rolle der adäquate Umgang des Dienstherren mit Hinterbliebenen. In Afghanistan starben 55 Bundeswehrsoldaten – so viele wie bei keinem anderen Auslandseinsatz. Von Sarah Kramer