Die Ausrüstung für Afghanistan –
ein ständiges Ärgernis

Immer wieder, so lange der Einsatz dauert, bemängeln die Wehrbeauftragten, mit wechselnden Ober-, aber immer dem gleichen Grundton eine Unterversorgung an Fahrzeugen, Ersatzteilen, Computern und zeitweilig sogar an der richtigen Verpflegung im Einsatz. Eines der Kernprobleme laut Hellmut Königshaus (FDP) zum Beispiel ist, dass die Bundeswehr in Afghanistan für die Suche nach Sprengfallen und Minen, die Hauptangriffsmittel der Aufständischen im Kampf gegen die internationalen Truppen, keine eigenen Räumfahrzeuge habe. Die Minensucher der Bundeswehr seien zu Fuß unterwegs und böten dabei Angreifern ein leichtes Ziel.

Die Bundeswehr hatte Schützenpanzer, teils stark geschützte Transportfahrzeuge, Flugzeuge und Transporthubschrauber im Einsatz. Zu den Schützenpanzern vom Typ „Marder“ kamen „Fuchs“-Transportpanzer für zehn Personen und kleinere „Dingos“, weniger geschützte Geländewagen vom Typ „Wolf“, sowie weitere Fahrzeuge vom Kran bis zum Tanklaster. Schwerere Geschütze wie die Panzerhaubitze 2000 wurden erst nach dem schwarzen Karfreitag 2010, bei dem drei deutsche Soldaten ums Leben kamen an den Hindukusch verlegt.

Aus der Luft unterstützt wurde die Bundeswehr durch Transporthubschrauber vom Typ „Sikorsky CH-53“ und „Transall“-Transportflugzeuge, die bereits in den 60er Jahren eingeführt wurden. Für die Aufklärung aus der Luft standen zwischenzeitlich Recce-Tornados zur Verfügung, deren Bordkanonen nur zur Selbstverteidigung eingesetzt werden durften. Luftunterstützung bei Gefechten wurde in der Regel von den US-Streitkräften geleistet. Auf den deutsch-französischen Kampfhubschrauber „Tiger“ musste die Bundeswehr lange warten. Erst im Januar 2013 wurde nach immer neuen Erprobungen und technischen Problemen volle Einsatzbereitschaft gemeldet.

Ausrüstung der Bundeswehr am Hindukusch


Zehn der vor mehr als 30 Jahren eingeführten Schützenpanzer „Marder“ standen der Bundeswehr in Afghanistan zur Verfügung. Für die deutsch-afghanische Militäroffensive im Juli 2009 wurden vier von Masar-i-Scharif in die Krisenregion Kundus verlegt und während der neuntägigen Offensive erstmals in einem Gefecht eingesetzt. Die 20-Millimeter-Bordkanone hat eine Reichweite bis höchstens 2000 Meter – Offiziere sehen hier Probleme beim Kampf gegen Taliban über größere Distanz. Der einst für norddeutsche Bedingungen konstruierte Panzer hat keine Klimaanlage.
Auch zwei Bergepanzer hat die Bundeswehr nach Afghanistan verlegt. Diese Fahrzeuge werden zum Bergen und Abschub von Material eingesetzt. Sie sind mit einem Kran und Winden ausgerüstet und dienen auch als Hebemittel bei der Instandsetzung. Zur weiteren Ausstattung dieser Panzer gehört zudem eine Schneid- und Schweißanlage.
Nicht in Afghanistan stationiert wurden schwere Kampfpanzer vom Typ „Leopard 2“, dem Standard-Kampfpanzer der Bundeswehr. Derzeit verfügt das Heer über 350 dieser Geräte. Gedacht ist der Panzer eigentlich, um in einem Krieg an vorderster Front feindliche Panzer zu vernichten. Die Kanone des „Leopard 2“ hat eine Reichweite von mehr als vier Kilometern. Die Geschosse durchschlagen mehrere Dezimeter dicken Stahl und bringen beim Aufprall Metall zum Schmelzen. Das Fahrzeug hat einen 1500 PS starken Dieselmotor, fährt bis zu 70 km/h schnell und kann bis zu vier Meter tiefe Gewässer durchqueren.

Angesichts der angespannten Sicherheitslage wurden insgesamt drei Panzerhaubitzen 2000 in Afghanistan stationiert. Eine davon wurde ins deutsche Feldlager im nordafghanischen Kundus verlegt. Es ist das schwerste Geschütz, das die Bundeswehr je in einen Einsatz geschickt hat. Die Panzerhaubitze 2000 ist elf Meter lang und hat ein Gefechtsgewicht von 56 Tonnen. Die 155-Millimeter-Kanone kann 40 Kilometer weit schießen und selbst auf diese Entfernung auf 30 Meter genau treffen.

Erstmals setzte die Bundeswehr im Jahr 2009 Mörser mit scharfer Munition ein. Der 120-Millimeter-Mörser „Tampella“ stand schon länger zur Verfügung. Doch Deutschland wollte die dazugehörigen Granaten nicht verwenden, um den Tod von Zivilisten und eigenen Soldaten von vornherein auszuschließen. Bislang setzte die Bundeswehr auf Abschreckung durch Leuchtmunition.

Die Bundeswehr verwendet das Sturmgewehr G36, die Standard-Infanteriewaffe der Bundeswehr.

Die Bundeswehr hat 970 zum Teil stark geschützte Fahrzeuge in Afghanistan gehabt, darunter 210 vom Typ „Dingo“. Ferner fuhren die Soldaten mit dem „Fuchs“-Transportpanzer (100) und dem leicht gepanzerten Militärfahrzeug „Eagle“. Auch Geländewagen vom Typ „Wolf“ (400) waren dort sowie das Mehrzweckfahrzeug „Mungo“. Beide Fahrzeuge bieten bei Anschlägen kaum Schutz. Der „Mungo“ wurde aus dem Kleinlaster „Multicar“ entwickelt, der in vielen deutschen Kommunen zur Reinigung von Gehwegen verwendet wird.

Die Bundeswehr hatte in Afghanistan lange Zeit keine eigenen Kampfhubschrauber, die Patrouillen schützen oder in Kämpfe am Boden aus der Luft eingreifen könnten. Die sogenannte Luftnahunterstützung im Gefechtsfall kam von Isaf-Verbündeten. Der europäische Kampfhubschrauber „Tiger“ kam wegen technischer Probleme erst Anfang 2013 zum Einsatz – der im Juni 2014 endete. Für Lufttransporte standen acht Hubschrauber „Sikorsky CH-53“ zur Verfügung.

Am Hindukusch sind acht „Transall“ stationiert, die in den sechziger Jahren eingeführt wurden und eigentlich 2010 vom A400M abgelöst werden sollten. Wegen Entwicklungsproblemen des Herstellers wird der A400M nun aber erst Jahre später bereitstehen.

Recce-Tornados waren von April 2007 bis Ende November 2010 im Einsatz. Die sechs Flugzeuge waren in Masar-i-Scharif stationiert. Sie haben zwei Bordkanonen, die während des Einsatzes in Afghanistan ausschließlich dem Selbstschutz dienten. Einziger Auftrag der Tornados war wie bei den Nato-Awacs-Maschinen die Aufklärung. Die Awacs-Flugzeuge sind unbewaffnet und können nach Bundeswehrangaben im Gegensatz zu den Tornados keine Ziele am Boden ausmachen. Die Awacs-Besatzungen sollen durch Koordinierung für Sicherheit in der Luft sorgen, weil der zivile Flugverkehr massiv angestiegen ist und Kollisionen mit den Militärmaschinen der internationalen Truppen verhindert werden sollen. Die Taliban haben keine Flugzeuge oder Hubschrauber.

Weil sie nicht bekommen, was sie brauchen, gehen die Soldaten vorm Einsatz Shoppen

Hemden und Helme der Bundeswehr taugten anfangs nicht für den Einsatz in  Afghanistan, die Soldaten kauften sich  sogar Dinge wie Schutzwesten, Brillen, Gehörschutz, Stiefel, Handschuhe und Hosen.

Hemden und Helme der Bundeswehr taugten anfangs nicht für den Einsatz in Afghanistan, die Soldaten kauften sich Schutzwesten, Brillen, Gehörschutz, Stiefel, Handschuhe und Hosen selbst. Foto: mis

 

Für die Bergung von Toten und Verletzten aus der Luft in einer Gefechtssituation ist die Bundeswehr nicht ausgerüstet. Auch fehlt es oft an Kleinigkeiten, weshalb sich Berichte mehrten, wonach die Soldaten, bevor sie in den Krieg zogen, shoppen gingen, weil Hemden und Helm der Bundeswehr in Afghanistan nicht taugen, dünne atmungsaktive Combat-Shirts in Tarnfarben, Helm, Stiefel, Chest-Rig, eine Art Tragegeschirr mit Taschen auf der Brust für Munition und andere überlebensnotwendige Dinge wie Schutzwesten, Brillen, Gehörschutz, Stiefel, Handschuhe und sogar Hosen. Der Wehrbeauftragte Königshaus hörte dergleichen oft. Fast jeder Soldat, der außerhalb des Lagers eingesetzt wird, hat auf eigene Kosten Ausrüstung beschafft. Ohne die privaten Einkäufe sei es schwer, die Aufträge zu erfüllen. Sie addierten sich im Durchschnitt auf rund 1500 Euro, errechnete das Büro des Wehrbeauftragten 2011. Michael Schmidt