Ein Ort der Trauer – Das neue Ehrenmal am Bendlerblock

Koinzidenz der Ereignisse: Der deutsche Kampfeinsatz am Hindukusch wollte es, dass die Einweihung des umstrittenen Ehrenmals für getötete Bundeswehrangehörige im September 2009 ausgerechnet an jenem Tag stattfand, an dem der Bundestag sich mit dem Luftangriff auf zwei Tanklastwagen in Afghanistan befassen musste, der viele, auch zivile Opfer forderte. Bundespräsident Horst Köhler hielt die zentrale Festansprache im Bendlerblock in Berlin, dem Sitz des Verteidigungsministers. „Es ist gut, dass wir diesen Ort jetzt haben“, sagte Köhler. Es mute den politisch Verantwortlichen zu, „sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass ihre Entscheidungen Menschenleben kosten können“. Und es mute „uns allen die Einsicht zu, dass der Staatsbürger in Uniform kein abstraktes Konzept ist, sondern dass unsere Soldatinnen und Soldaten unsere eigenen Söhne, Töchter, Partner und Freunde sind“.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), von dem 2005 die Initiative für die Gedenkstätte ausgegangen war, sagte, Soldaten gehörten „der einzigen Berufsgruppe an, die schwört, mit Risiko für Leib und Leben Recht und Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“. Deshalb, so des Ministers Credo, „ist es unsere Aufgabe, alle in ehrender und würdiger Form in Erinnerung zu behalten“.

 

Der Entwurf

Der Entwurf

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung hat das Projekt initiert. Im Juni 2007 nimmt er gemeinsam mit Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan das Modell des Entwurfes vom Architekten Andreas Meck in Augenschein. Foto: dpa

Die Grundsteinlegung

Die Grundsteinlegung

Gut ein Jahr später, im Novmeber 2008, erfolgt die symbolische Grundsteinlegung für das Bundeswehr-Ehrenmal am Bendlerblock in einer feierlichen Zeremonie. Foto: dpa

Die Einweihung

Die Einweihung

2009 schließlich erfolgt die Einweihung. Mit dem Ehrenmal, so wollte es Minister Jung, soll der Soldaten der Bundeswehr gedacht werden, die im Einsatz gestorben sind. Foto: dpa

Die Zeremonie

Die Zeremonie

Bundestagspräsident Lammert, Bundespräsident Köhler und Kanzleramtsminister de Maiziere legen Kränze nieder. Die Ehrenmal-Inschrift lautet: "Den Toten unserer Bundeswehr für Frieden Recht und Freiheit". Foto: dpa

 

Das Ehrenmal, über dessen Standort, Gestaltung und Sinn die Politik jahrelang gestritten hatte, soll an die Toten der deutschen Streitkräfte erinnern. Seit Gründung der Bundeswehr 1955 starben etwa 3100 Soldaten und Zivilbeschäftigte im Dienst. Nach den Plänen des Münchner Architekten Andreas Meck entstand ein 250 Quadratmeter großer, öffentlich zugänglicher Bau aus Stahlbeton, der durch eine Schiebewand zum Ministeriumsgelände hin abgegrenzt werden kann – Baukosten etwa vier Millionen Euro. Im Inneren findet sich ein in Schwarz gehaltener Raum der Stille, wo an einer Gedenktafel Kränze und Blumen niedergelegt werden können. Umhüllt wird das Gebäude von einem Bronzekleid, aus dem halbe Ovale ausgestanzt sind. Diese sind den Erkennungsmarken von Soldaten nachempfunden, die bei deren Tod in der Mitte durchgebrochen werden. Die Inschrift lautet: „Den Toten unserer Bundeswehr für Frieden, Recht und Freiheit“.

Das Ehrenmal der Bundeswehr treibt keine falsche Heldenverehrung,
es dient keinem Opferkult und es verherrlicht keinen KriegBundespräsident Horst Köhler

 

Der Namen jedes Mannes und jeder Frau, die im Kampf, bei Anschlägen, bei Übungen und Flugzeugabstürzen das Leben verlor, soll im Raum der Stille durch Buchstaben aus Licht visualisiert werden, die für einige Sekunden aufscheinen und dann wieder verlöschen. Geehrt werden nicht nur Soldaten, die gefallen sind. Das Mahnmal erinnert auch an Unfalltote bei Manövern oder an Einsatzkräfte, die sich wegen der psychischen Belastung im Auslandseinsatz das Leben nahmen. Die Entscheidung, aller zu gedenken, war lange umstritten. Einige Politiker hatten für ein Ehrenmal plädiert, das nur jenen Bundeswehrsoldaten gewidmet ist, die im Einsatz starben – bisher sind das mehr als 80 Menschen. Das Verteidigungsministerium wollte hingegen von Anfang kein reines Gefallenendenkmal, sondern ein Ehrenmal für alle Angehörigen der Bundeswehr – auch für die Zivilbeschäftigten.

In seiner Ansprache nahm Köhler häufig geäußerte Vorbehalte auf: „Wir sind uns bewusst, dass der Soldatentod in der Vergangenheit oft propagandistisch missbraucht und überhöht wurde – gerade in Deutschland. Das Ehrenmal der Bundeswehr jedoch treibt keine falsche Heldenverehrung, es dient keinem Opferkult und es verherrlicht keinen Krieg“, sagte Köhler. „An diesem Ort wird nichts verklärt. Es ist ein Ort der Trauer.“


LESEN SIE MEHR ZU HORST KÖHLER

Bundespräsident Horst Köhler bei der Einweihung des neuen zentralen Ehrenmals der Bundeswehr in Berlin. im September 2009:  "Dies ist ein Ort der Trauer". Foto: dpa

Bundespräsident Horst Köhler bei der Einweihung des neuen zentralen Ehrenmals der Bundeswehr in Berlin im September 2009: „Dies ist ein Ort der Trauer“. Ein Jahr später trat er zurück – nachdem er ein paar wahre Worte gesprochen hatte. Foto: dpa


Zahlreiche Abgeordnete hatten sich – „die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee“ – für ein Mahnmal vor dem Reichstag stark gemacht – auch, um alle Parlamentarier fortlaufend an ihre große Verantwortung bei Entscheidungen über Militäreinsätze zu mahnen. Doch Verteidigungsminister Jung wandte sich gegen einen Standort in der Nähe des Bundestages. Er setzte durch, das Ehrenmal direkt an seinem Ministerium zu errichten. Als zentrales Ehrenmal – bisher hat jede Waffengattung ihr eigenes.

Öffnungszeiten der Gedenkstätte: werktags von 9 bis 18, donnerstags bis 20 Uhr, am Wochenende von 10 bis 18 Uhr.