Werbung in eigener Sache

Die Bundeswehr wirbt verstärkt um die Jugend – und um Frauen. Das eine auf Jobmessen, an Projekttagen, in Schulen. Das andere mit mäßigem Erfolg, obwohl Aufsehen erregend. Aber der Reihe nach. S

eit dem Ende der Wehrpflicht kämpft die Bundeswehr verstärkt um Nachwuchs: 2013 haben sogenannte Karriereberater der Bundeswehr 8700 Vorträge an deutschen Schulen gehalten. Insgesamt wurden so etwa 189.000 Schüler erreicht, heißt es aus dem Ministerium.

Nicht die Bundeswehr ist zum Politikunterricht da, sondern wir, die LehrerMarlis Tepe, GEW-Vorsitzende

Zudem warben die Karriereberater auf 600 Ausstellungen, Jobmessen, Projekttagen oder ähnlichen Veranstaltungen, dabei erreichten sie rund 96.000 Schüler. Hinzukamen 3300 Truppenbesuche, an denen rund 13.700 Jugendliche und 260 Lehrer teilgenommen haben.

Die Wehrpflicht wurde im Sommer 2011 ausgesetzt, seitdem hat die Bundeswehr ihre Nachwuchswerbung an Schulen verstärkt, stets auf der Suche nach jungen Menschen, die sich freiwillig zum Militärdienst verpflichten. Das Mindestalter liegt bei 17 Jahren.

Immer wieder wurde die Bundeswehr wegen dieses Einsatzes an Schulen kritisiert, unter anderem von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft: „Nicht die Bundeswehr ist zum Politikunterricht da, sondern wir, die Lehrer“, sagt deren Vorsitzende Marlis Tepe.

Inzwischen haben sich mehrere Schulen in Deutschland für „militärfrei“ erklärt. Im vergangenen Jahr wurden zwei Schulen deswegen stellvertretend mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet. „Wir wollen den Mut und die Courage der Schülerinnen und Schüler, der Eltern, Lehrerinnen und Lehrer mit dem Aachener Friedenspreis 2013 würdigen und gleichzeitig ein Signal gegen den Mainstream der Militarisierung in unserer Gesellschaft setzen“, heißt es in der Begründung der Jury.

„Zewa wisch & weg“:
Ende eine Werbekampagne nach nur einem Tag

Im Schlepptau der Kameradin

Unter den Berufssoldaten sind nur 3,4 Prozent Frauen. Foto: dpa

In allerjüngster Vergangenheit, Ende September, Anfang Oktober dann begann eine Zeit, die als „Chaostage“ in die Annalen des Verteidigungsministeriums eingehen könnte. Fast im 24-Stunden-Takt wurden neue Pannen und Mängel an der Ausrüstung der Bundeswehr bekannt. Und dann kam auch noch eine Peinlichkeit in einem Bereich hinzu, der der Ministerin besonders am Herzen liegt: Nach nur einem Tag wurde eine groß angekündigte Werbekampagne zur Rekrutierung von Frauen wieder gestoppt. Auf der
eigens geschaffenen Internetseite war vorher ein Fehler aufgetaucht, der wie eine Satire wirkt. Ein Bild mit „Zewa wisch & weg“-Haushaltstüchern war mit der Schlagzeile versehen: „So vielfältig wie Sie: Individuelle Karrieremöglichkeiten für Frauen bei der Bundeswehr.“

Wie die Panne genau zustande kam, blieb zunächst unklar. Das Verteidigungsministerium vermutete einen Programmierfehler bei der Werbeagentur, die die Seite gestaltet hat. Als harmloses Versehen will man das nicht durchgehen lassen. Der Agentur wurden rechtliche Schritte wegen Rufschädigung angedroht.Wie es mit der Werbekampagne weitergehen soll, ist offen. Für von der Leyen ist der Abbruch bitter. Die Anhebung des Frauenanteils beim Bund ist ihr erklärtes Ziel. Wem, wenn nicht ihr als erster Oberbefehlshaberin der Bundeswehr, sollte das gelingen.
Als eine ihrer ersten Amtshandlungen hatte von der Leyen Anfang des Jahres einen Maßnahmenkatalog angekündigt, der die Bundeswehr attraktiver machen soll – auch für Frauen. Geplant ist etwa, die Kinderbetreuung auszubauen und Bundeswehrangehörigen mehr Teilzeit- und auch Heimarbeit zu ermöglichen. Derzeit liegt der Frauenteil in der Bundeswehr bei zehn Prozent und damit weit unter der Zielmarke von 15 Prozent. Unter den Berufssoldaten sind sogar nur 3,4 Prozent Frauen. Michael Schmidt

 

Die Bundeswehr wirbt für sich - </br>mit Infotrucks on the road

Die Bundeswehr wirbt für sich -
mit Infotrucks on the road

Tausende Freiwillige braucht die von der Wehrpflicht- zur Berufsarmee gewandelte Bundeswehr - jetzt wird die Werbetrommel gerührt, so wie hier auf einem Infotruck, in dem sich Interessierte informieren können. Foto: dpa

5000 Freiwllige sucht die Armee jetzt - </br>Jahr für Jahr

5000 Freiwllige sucht die Armee jetzt -
Jahr für Jahr

Soldaten des Raketenartilleriebataillon 132 vor einer Werbewand der Bundeswehr. Früher rekrutierte die Armee ihren Nachwuchs aus dem Pool der Wehrpflichtigen - jetzt muss sie it der Wirtschaft konkurrieren. Foto: dpa

Auf Jobmessen, an Projekttagen, </br>mit Ausstellungen

Auf Jobmessen, an Projekttagen,
mit Ausstellungen

Jugendliche informieren sich bei Soldaten. Band-Wettbewerbe, Beach-Volleyball und Slalom-Roller-Parcours sollen je nach Gelegenheit junge Menschen für das neue Unternehmen Bundeswehr begeistern. Foto: dpa